Richard Wagner: DAS RHEINGOLD (Oper Köln)
Gott Wotan läßt sich ein Schloß bauen und bleibt den Erbauern, den Riesen Fasolt und Fafner, den Lohn schuldig. Diese entführen kurzerhand Freya, die Göttin, deren Wunderäpfel Wotan und die Götterfreunde am Leben halten. Es ist Not am Mann, also fahren Wotan und Feuergott Loge hinab nach Nibelheim, um dem Alben Alberich das Rheingold abzunehmen, das dieser just den Rheintöchtern entwendet hat. So märchenhaft und frei nach dem deutschen Nationalepos "Das Nibelungenlied" erzählt Richard Wagner den ersten Abend seinerTetralogie "Der Ring des Nibelungen".
Auf der Bühne aber begegnen uns weniger märchenhafte Figuren. Wotan und Frau Fricka plus Mit-Götter Donner und Froh kommen als Luxusverwöhnte, von einer Schar von Dienern begleitete Gruppe Erzkapitalisten daher. Kammerdiener Loge ist vielleicht auch der Hausanwalt. Die Riesen Fasolt und Fafner werden von einer großen Gruppe von (Mit-)Arbeitern begleitet und gerieren sich als Gewerkschaftsfunktionäre, die auch einmal streiken lassen können. Vor Walhalls Toren wird noch gebaut, das zeigt uns das halb naturalistische Bühnenbild. (Ausstattung: Patrick Kinmonth). Entsprechend naturalistisch ist die Personenregie Robert Carsons. Das macht in der Tradition des "Jahrhundert-Rings" von Patrice Cherau meistens Sinn, läßt aber Alberich albern zwischen den Rheintöchtern herum krabbeln und Donner einen Golfschläger zur Wetterbereinigung schwingen. Im erstaunlich gut funktionierenden Einheitsbühnenbild (Patrick Kinmoth) entstehen dennoch auch magische Theaterbilder, insbesondere am Anfang, wenn Müll wegwerfende Menschen durch Trockeneisnebel hasten, oder am Ende, wenn die Götter durch eine Wand aus fallendem Schnee nach Walhall einziehen. Eine einfache aber sehr kluge und stimmige Lichtregie vom Bayreuth-erfahrenen Manfred Voss erweitert die erzählerischen Mittel der Regie.
Musikalisch erklingt gutes Mittelmaß, lediglich Harry Peeters ist als Alberich fehlbesetzt, seine feine und kultivierte Stimme kann der Figur nicht gerecht werden. Überdurchschnittlich, und auch in der Gunst des Publikums vorn, dagegen Hubert Delamboye als Loge, stimmgewaltig und weniger zappelig, als diese Partie gewöhnlich angegangen wird, ist er absolut überzeugend. Alan Titus (Wotan), Doris Soffel (Fricka), Petra Maria Schnitzer (Fricka), Wolfgang Bünten (Froh), Martin Finke (Mime), die Rheintöchter (Natalie Karl, Molly Filmare, Laura Nykänen) und die Riesen (Tomas Tomasson, James Moellenhoff) beherrschen ihre Partien, Cornelia Wulkopf (Erda) und Donner (Scott Hendricks) schaffen darüber hinaus noch kleine Glanzmomente. Die Kölner Philharmoniker unter Jeffrey Tate spielten oft sehr illustrierend, und wenn auch die Abstimmung zwischen Graben und Bühne nicht immer perfekt war, so machte diese Spielweise für die handlungsorientierte Regie Sinn. Ein gelungener Abend, der neugierig auf die Fortsetzung macht.
Sven Lange / 22.12.2000
Musikalische Leitung: Jeffrey Tate
Regie: Robert Carson
Ausstattung: Patrick Kinmoth
Licht: Manfred Voss
Dramaturgie: Ian Burton
Wotan: Alan Titus, Donner: Scott Hendricks, Froh: Wolfgang Bünten, Loge:
Hubert Delamboye, Alberich: Harry Peeters, Mime: Martin Finke, Fasolt: Tomas
Tomasson, Fafner: James Moellenhoff, Fricka: Doris Soffel, Freia: Petra
Maria Schnitzer, Erda: Cornelia Wulkopf, Woglinde: Natalie Karl, Wellgunde:
Molly Filmore, Floßhilde: Laura Nykänen.
Gürzenich Orchester Kölner Philharmoniker
Statisterie der Bühnen der Stadt Köln sowie Strafgefangene der JVA
Euskirchen und Mitglieder des 1.Kölner Shanty Chores
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