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Aalto Oper Essen, 23. Dezember 2006

Tristan und Isolde

Richard Wagner


v. l. n. r.: Evelyn Herlitzius (Isolde) und Jeffrey Dowd (Tristan)



"Ein Schrei einer Person, gefangen in einem klaustrophobischen Raum." So beschreibt Regisseur Barrie Kosky seine Sicht auf Wagners düsteres Spiel um Liebe und Tod. Konsequenterweise lässt er die Oper in kleinen, sehr engen Räumen spielen. Drumherum das schwarze Nichts. Ein stimmiger und stimmungsvoller Ansatz. Tristan (Jeffrey Dowd), der die Braut liebt, die er seinem König warb, und Isolde (Evelyn Herlitzius), die den Helden liebt, obwohl der ihren Verlobten einst getötet hat, treffen in diesen Schachtelräumen aufeinander. Darin arrangiert Kosky mal mehr mal weniger originell ein halb psychologisches, halb metaphorisches Stellungsspiel. Oftmals steht die Belegschaft auch nur herum und singt. Dafür bewegt sich dann im 2.Akt der ganze Würfel, in dem die Liebenden sich finden. Die Welt gerät aus den Fugen, fällt einem dazu ein, mehr noch, sie steht Kopf. Die Liebenden indes singen von Wollust und Todessehnsucht. Sie singen. Viel mehr nicht. Und das ist auch richtig so, denn wer von Liebe spricht, der kann nicht gleichzeitig lieben. Und wer vom Tod so angetan ist, dem ist wohl das ausgelebte (Liebes)leben eher unheimlich. Es reicht tatsächlich. Denn sie singen sehr schön, das Orchester klingt prima und das Bild ist ergreifend.


v. l. n. r.: Heiko Trinsinger (Kurwenal) und Jeffrey Dowd (Tristan)


Im dritten Akt dann liegt Tristan in einem Container und drum herum grasen die Schafe. Traurig sieht das aus. Da wunderts kaum noch, dass der Held nur noch vom Sterben träumt. Nein, hier geht es nicht um erhabene Liebe, zu groß für das Leben, hier ist einer, der von Geburt an vom Tod umgeben war, und der sich im Tode zu Hause wähnt. Die viel beschworene Liebe will kein Leben. Als Isolde kommt, ist Tristan schon tot. Er hat sich die Wunde aufgerissen, um vor ihren Augen zu verbluten. In dieser Inszenierung spürt man, wie erbärmlich diese Haltung ist, egal wie schön die Musik dazu spielt. Isolde entrückt der Welt in ihren letzten Tönen, rein technisch entrückt dabei die Welt ihr, nämlich alles, was auf der Bühne noch steht, verschwindet im Nichts. Dann legt sie sich zu dem Toten und deckt ihn mit ihrem Mantel zu. Denn im Tode ists kalt. Und fürs Leben hats nicht mehr gereicht.


v. l. n. r.: Ildiko Szönyi (Brangräne), Jeffrey Dowd (Tristan), Evelyn Herlitzius (Isolde), Heiko Trinsinger (Kurwenal), Günter Kiefer (Melot) und Marcel Rosca (König Marke)

Das Publikum dankt den Sängern und Dirigent und Hausherrn Stefan Soltesz mit stehenden Ovationen. Sie haben es sich redlich verdient. Das ist ein musikalisch und inszenatorisch durchweg guter Abend. Heiko Trinsinger als Kurwenal mit weicher, warmer und gleichwohl kraftvoller Stimme setzt dem noch ein Plus oben drauf. Die kommende Kulturhauptstadt darf sich dieses "Tristans" jetzt schon rühmen.


Sven Lange - red / 23. Dezember 2006
ID 00000002875
Richard Wagner
Tristan und Isolde

Handlung in drei Aufzügen
Text von Richard Wagner

Musikalische Leitung Stefan Soltesz
Inszenierung Barrie Kosky
Bühne und Licht Klaus Grünberg
Kostüme Alfred Mayerhofer
Choreinstudierung Alexander Eberle

Aalto-Theater
Premiere 09.12.2006

Weitere Vorstellungstermine: 30.12. | 6.1. | 6.4. | 3.6.| 10.6.| 17.6.

Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-essen.de/





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