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Feuilleton

RAW-Ambulatorium Berlin, 05.06.04

„Versuchung der Phantasie“


nach einer Vorlage von Ulli Eich, mit Annika Desch, Regie, Detlef Nier

RAW-Ambulatorium in Berlin/Friedrichshain
„Du hast Dich doch immer meiner bedient“, sagt Ada zu ihrem Totenkopf aus Plastik made in India. Schließlich hat sie ihn aus der Kiste geholt, ihn abgestaubt, ihn sogar geleckt und ihm einen Ehrenplatz auf dem Klavier zugestanden. Max, so nennt Ada den Totenkopf ist der, mit dem sie redet. Ohne ihn würde das Publikum nichts über Ada erfahren.

Ada, gefangen in ihrer selbstgeschaffenen Phantasiewelt flieht vor der Liebe, der Verantwortung und vor der von ihr verlangten Unterordnung.
Auch ihre Liaison, wie sie ihren Ex-Mann nennt, forderte all das von ihr. Er selbst ist Arzt und hat Max in die Wohnung gebracht.
Er wollte, dass Ada Verantwortung übernimmt, sie sei ja kein Kind mehr. Ada suchte die Verantwortung unter dem Teppich und fand nichts. Sie ließ sich auch röntgen und fand nichts. Ihr Mann ist gegangen und Max hat ihn ersetzt. Er passt besser in ihre Welt, in ihr „Niemandsland mit Stacheldraht umzäunt“. Pusteln bekommt sie von menschlichem Atem und wünscht sich deswegen von einer Qualle geliebt zu werden, die dann „gierig schlürfend ihr Gehirn aufsaugt“. Ab und an bekommt sie Besuch vom Hofmarschall, dem Erfinder von z. B. gurkenfreiem Einmachen, mit dem sie sich „was Sexuelles“ vorstellen kann. Letztendlich hat sie ihn aber nur geschaffen „um ihr zu dienen“.
Zu guter Letzt will sie ein großes Fest veranstalten mit dem Postboten, den Jüngern und dem Hofmarschall. Ihr Tumor ist schon so groß geworden, dass sie Abschied nehmen muss, um in eine neue wirkliche Wirklichkeit zu gehen, vielleicht sogar in die des Hofmarschalls.

Annika Desch, geb. 1977 in Hanau, Schauspielerin und Synchronsprecherin hatte einen wahrlich schweren Job: Im RAW-Ambulatorium, bekannt vor allem durch Reggae-Parties und Musiksessions, sollte sie spielen mit lediglich einem Hauch von Publikum und mit einem 70 Minuten langen und bei Gott nicht einfachen Text.
Dazu kommt noch, dass sich das Stück dem Zuschauer nicht wie beiläufig erschließt.
Man muss schon zuhören um zu begreifen und um an den richtigen Stellen etwas zum Schmunzeln zu finden.
Dennoch bleibt auch im nachhinein inhaltlich noch einiges fragwürdig. Eigentlich ist es eine doch verdammt traurige Geschichte, die mit sehr viel Humor umgesetzt wird. Wogegen ja erstmal nichts spricht. Ada ist eine seelisch gebrochene Frau, verwirrt, um nicht zu sagen psychisch krank, vielleicht schizophren. Gepaart mit Einsamkeit (materiell scheint es ihr ja gut zu gehen) ist das eine fatale Mischung, die in der doch oft sehr bitteren Realität geradewegs in die Klapse führt. Von dieser Tragik ist aber kaum etwas zu spüren. Ada ist immer vergnügt, scherzt mit Max und mit sich selbst und deckt den Tisch mit hübschen Plastikblumen. Es kommt einem zwischendurch der Gedanke, dass Ada keine irdische Figur ist. So bleibt das Stück irgendwo zwischen Himmel und Erde hängen ohne je den Boden unter den Füßen zu erreichen. Etwa die „Versuchung der Phantasie“? Gewollt oder nicht, mir hat jedenfalls etwas gefehlt….
Aber macht euch doch selbst ein Bild:
RAW-Ambulatorium, Revaler Str.99, 10245 Berlin
Kartenvorbestellung unter 0178 – 7189471
07./09./14./16. und 19.Juni 2004
jeweils um 20 Uhr

Weitere Aufführungen im Theater „Bühnenrausch“, Erich-Weinert-Straße 27 , 10439 Berlin
Kartenvorbestellung unter 030 - 44673264
26./27.Juni
17./18. Juli 2004, jeweils um 20 Uhr


w.p. –red / 6. Juni 2004
ID 1008
Weitere Infos siehe auch:






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