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Theaterkritik
Felicia Zeller: Im Cafe Tassl (IN-TEATA im GLORIA, Köln)

Felicia Zeller: Im Cafe Tassl (IN-TEATA im GLORIA, Köln)

Im einem Veranstaltungsraum, in dem sonst Konzerte und Partys laufen, liegt ein helles Bodentuch, aus dem durch kleine technische Tricks Stühle, Tische, ein Schrank und eine Küchenzeile wachsen. (Bühne: Alireza Verzandeh).
Zunächst entsteht da ein Cafe, das besagte Cafe Tassl nämlich, und darin wartet Frauke K. (Ursula Strauss) auf ihr Kontaktanzeigen-Date. Sie muss lange warten, viele Tassen Kaffee trinken, bis zur Herzraserei. Wir ahnen es bald: Er wird nicht kommen. Später, wenn die Bühne sich in eine Wohnung verwandelt hat, erleben wir ihn, Otto S. (Martin Molitor), eifrig bemüht und doch der Zeit immer hinterher. Er wird die Wohnung nicht verlassen. Stattdessen diskutiert er mit seinem Kleiderschrank, mit seinem Hut, mit seinem Kochtopf, mit seinem Pullover (Andrea Brunetti).
Vorher jedoch erleben wir die Sitzengelassene, wie sie stottert, hängt, wiederholt, variiert, unsicher ist und voller Sehnsucht. Ursula Strauss spielt die Frauke K. mit meisterlichem schauspielerischen Geschick, das Timing sitzt, die Nuancen stimmen. Sie beherrscht für lange Zeit die Szene und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Sobald sie jedoch am Tisch einschläft, gerät der ganze Abend ins Wanken. Die Räume werden unklar, das Drama, das theatralische Konfliktpotential, scheint ausgereizt. Es gehört zum guten Ton, in einer Uraufführung nicht zu streichen, doch diesem Abend hätte es gut getan. Und obwohl der Text noch einige bemerkenswerte Sätze und Wortspiele bereit hält, wird es stetig schwerer, zu folgen. Die Bühne ist zudem flach beleuchtet, da werden die Lider schwer, auch wünschte man sich mehr an szenischer Fantasie.

Wenn dann am Ende alle Figuren noch einmal ihre wichtigsten Sätze durcheinander sprechen, wissen wir längst um die Hoffnungslosigkeit, die ewige Wiederholung des Immergleichen. Es berührt nur nicht mehr.

Sven Lange



Uraufführung im GLORIA, Apostelnstraße 11, 50667 Köln, Spieldauer: 110 min.;
Regie: Inka Neubert; Bühne: Alireza Verzandeh; Dramaturgie: Sandra Nuy;
mit: Ursula Strauss, Marcus Vick, Uwe Kosubek, Achim Mehrle, Martin Molitor, Andrea Brunetti;
Tel.: 0221-2583656; weitere Termine: 2./4./5. Dezember, 4.-7. Januar, jeweils 20 Uhr.
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