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Theaterkritik

Der Sturm

William Shakespeare
Puppentheater Halle/Kölner Schauspiel


Eine gängige Interpretation des "Sturms" sieht Prospero als Alter Ego Shakespeares, Der Magier Prospero auf der Insel entspricht dem Bühnen-Zauberer Shakespeare. Die Inszenierung der beiden Regisseure Christian Tschirner und Christian Weise denkt diesen Gedanken konsequent zu Ende und macht aus Prospero einen Theater-Prinzipalen, der im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen läßt. Auf einer Bühne aus hellem Holz steht Traugott Buhre als Prospero im Zentrum des Geschehens. Er ist der Theatermacher, der sich sein Weltstück erschafft. Er ist mal ein grimmer alter Mann, dann doch von großer Zärtlichkeit, am Ende gar die Verkörperung der Weisheit. Sein dienernder Widersacher Caliban ist der in Köln bekannte und beliebte Martin Reincke, dessen einsatzfreudiges, körperliches Spiel der Figur adäquat ist. Winnie Böwe, mit entzückenden Wespenflügeln ausgestattet, singt sich gekonnt von "Bridge over troubled water" bis "Itīs a kind of magic" durch ihre "Ariel"-Rolle. Alle anderen auftretenden Figuren sind aus Holz und Stoff und werden von schwarz vermummten Puppenspielern geführt. Besonders putzig sind hierbei Lars Franck als/mit Trinculo und Hans Jochen Menzel als/mit Stephano, die munter sächselnd die Flutkatastrophe ironisieren und um ihr abgesoffenes Fitness-Studio trauern.

Außerdem werden mit mehreren Projektoren skizzenhafte Szenarien an die Wände projiziert, sowie eine elektronische Soundkulisse über die Szenen gezaubert. Manchmal ist das alles ein bißchen viel, die Bilder, die Sounds, die Schauspieler, die bedeutende Worte sprechen, die Puppen, die urkomisch und anrührend sein können, die Spieler, die als "Geister" auch präsent sind, manchmal fehlt eine Fokussierung des Geschehens, aber insgesamt ist dieser Abend eine überaus gelungene Sichtweise auf Shakespeares Sturm, mit großartigen Schau- und Puppenspielern, einer Menge Humor und der nötigen Tiefe. Ein Highlight im Kölner Theatergeschehen.


Sven Lange / 21. Dezember 2002

Spielzeit: ca. drei Stunden, eine Pause

Mit: Traugott Buhre, Martin Reincke, Winnie Böwe; Puppenspieler: Hans-Jochen Menzel, Uwe Steinbach, Lars Frank, Nils Drescke, Margit Halllmann, Ines Heinrich; Regie: Christian Tschirner und Christian Weise; Bühne: Julia Oschatz; Puppen und Kostüme: Atif Hussein; Musik: Friedemann und Hagen Matzeit.

www.buehnenkoeln.de
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