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Theaterkritik
Keith Reddin: DER LETZTE SCHREI (Schauspiel Bonn)

Keith Reddin:
DER LETZTE SCHREI (Schauspiel Bonn)

Die bluttriefende Komödie "All the Rage" des amerikanischen Bühnen-und Drehbuchautors Keith Reddin wirkt wie eine bissig-böse Abart des Kinder-Abzählreims "Zehn kleine Negerlein":
Warren erschießt einen vermeintlichen Einbrecher. Das Opfer entpuppt sich als sein Geschäftspartner.
Tim, der befreundete Rechtsanwalt tötet aus Angst vor Repressalien am Ende einer Affäre das Kindweib Annabel. Der psychopathische Bruder der Ermordeten hat den weltfremden Tenchel-Fenchel in Verdacht und wird zum Amokläufer. Der unter Minderwertigkeitskomplexen leidende Chris sieht nur in einem mörderischen Akt der Loslösung vom bisexuellen Freund Tim eine Perspektive.
Die deutschsprachige Erstaufführung des Stücks in der Werkstattbühne überrascht, weil die Spielstätte als Ort experimentierfreudiger Theaterereignisse gilt. In der kurzweiligen Inszenierung von Rüdiger Burbach gerät "Der letzte Schrei" (Übersetzung von Roland Schimmelpfennig) jedoch zum reinen Boulevardstück. Es lohnt dennoch, der kriminellen Kettenreaktion im Beziehungsgeflecht der Abhängigkeiten zu folgen, und dies ist der Spielfreude des Ensembles zu verdanken. Der tödliche Staffellauf gibt den Akteuren Gelegenheit zu burleskem Spiel - bis hin zu Studien unterschiedlicher Cartoon- und TV-Formate und Filmgrößen. So präsentiert sich Andreas Durban als lustiges Abziehbild eines eifrigen, jungen Kriminalbeamten, Wolfgang Böhm verkörpert exzessiv das eifersüchtige Monster. Während Ulrike Gubisch dem minderjährigen Lolita-Luder janusköpfige Dimensionen verleiht, stülpt Andreas Seifert dem schwulen Chris die verletzliche Aura eines Stan Laurel über. Zum Thema Konfliktlösung markieren Alexandra von Schwerin und Wolfgang Rüter mit der realistisch feinnervigen Darstellung der Helen und des Warren die offensichtlich unvereinbaren Pole von Vernunft und Gewalt. (V.)
Inszenierung: Rüdiger Burbach
Bühnenbild: Johann Jörg
Kostüme: Jessica Karge
Musik: Roger Müller
Licht: Matthias Vogel
Dramaturgie: Tilman Neuffer
mit: Wolfgang Rüter, Alexandra von Schwerin, Hanns-Jörg Krumpholz, Wolfgang Jaroschka, Andreas Durban, Karsten Gaul, Nikolaus Haenel, Andreas Seifert, Ulrike Gubisch, Wolfgang Böhm
Premiere: 17.9.2000, Werkstattbühne Bonn (im Opernhaus)

Infos zu weiteren Aufführungsterminen:
http://www.uni-bonn.de/theaterbonn

V. - red / 26.09.2000
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