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Feuilleton

Hexenkessel Hoftheater, Berlin 12. Juni 2004

JULIA UND ROMEO

William Shakespeare

Gleich mehrere Bühnen in Berlin spielen zur Zeit die traurigste Liebesgeschichte aller Zeiten. Und im Herbst kommt noch mindestens eine weitere Version dazu. Für die seit vielen Jahren Shakespeare-Aktiven vom Hexenkessel Hoftheater aber kommt sie spät, die Auseinandersetzung mit dem vielleicht berühmtesten Stück des Meisters. Und dann drehen sie den Titel um, nennen es Julia und Romeo - ist das eine moderne Höflichkeit, die Frucht frauenbewegter Jahre, ein dramaturgisches Konzept oder bloß eine Marketing-Idee, um sich von besagten anderen Produktionen abzugrenzen? Soviel sei vorweg gesagt: Wir werden es nie erfahren, aber das ist auch echt egal.


Tybalt (Torsten Schnier) und Bencutio (Milton Welsh) | (C) Foto: Bernd Schönberger 2004

Das Stück beginnt allerdings mit den berühmten Worten Hamlets \"To be or not to be\", leistet sich auch noch einen Besuch in Büchners \"Leonce und Lena\". Dann aber geht es gut gekürzt und ohne große Umwege durch das Stück, wie es sich gehört. In der eigenen Übersetzung blitzen Aphorismen aus dem Fundus Shakespeares ebenso wie selbst erdachte, heizen (nicht immer ganz geschmackssichere) Zoten die Stimmung an und sorgen Kampfchoreographien im \"Matrix\" Stil für action auf der Bühne. Kurztaktig und kurzweilig geht der Abend dahin und plötzlich scheint er vor der Zeit ein Ende, ein glückliches gar, zu finden. Ein gelungener Scherz mit dem Publikum, das selbstverständlich Tote sehen will. Und so zeigen die Akteure im zweiten Teil, wie die Liebenden in den Tod gehen, so, wie der Meister es gewollt hat.


Capulet (Leopold Altenburg), Julia (Ina Gercke), Pater Lorenzo (Harald Schröpfer), Romeo (Martin Sabel), Padrona Montague (Carsta Zimmermann) | (C) Foto: Bernd Schönberger 2004

Julia (Ina Gercke) ist klein und süß, Romeo (Martin Sabel) ein Schwiegersohn von Format, in unschuldsweiß gekleidet beide und zwar das Zentrum der Erzählung, nicht jedoch des Stücks. Merkwürdig blass bleiben die Figuren, zweidimensional und ganz am Text klebend. Das mag eine bewußte Entscheidung der Regie gewesen sein, die Naivität und Einfachheit des Gefühls zu illustrieren. Die Figuren aber macht es schwach. Wie viel komischer und trotzdem tiefer dagegen sind die Amme (Carsta Zimmermann), der Pater Lorenzo (Harald Schröpfer), der Freund \"Bencutio\" (der aus den in eine Figur zusammen gezogenen Originalen Benvolio und Mercutio besteht, gespielt von Milton Welsh). Letzterer ist der eigentlich Star des Abends, flottes Mundwerk, lässig-kämpferische Pose, bübisches Grinsen. Sein Tod läßt das Publikum trauernd zurück, wie schön, dass er als schwarzer Engel sich noch mit Erzfeind Tybalt (Torsten Schnier) versöhnen darf. Carsta Zimmermann als Amme und Padrona Montague kann aus jedem noch so unbedeutenden Satz eine Szene für sich herausschlagen, ihr komisches Talent ist Gold für die Inszenierung. Harald Schröpfer bleibt zwar als Paris eine vage Figur, dreht aber als Lorenzo auf und gewinnt das Publikum im Handumdrehn. Auch Leopold Altenburg als Capulet vermag dem komischen Spiel hier und da eine Tiefe beizufügen, die die Figur interessant macht.
Der Abend setzt auf Publikumsnahe Wirkung, das ist unter den gegebenen Umständen nicht verkehrt. Es ist draußen und gegen Ende fröstelt man ein wenig, von der nahen Strandbar hört man Gläserklirren und Lachen, der Monbijoupark entfaltet seinen eigen Charme. In dieser Atmosphäre ist wenig Raum für ausgedehnte Trauermonologe, so geht nach einigem Gelächter das tragische Geschehen flott dem Ende entgegen. Lobend zu erwähnen seien noch Kostüme (Isa Mehnert) und besonders die stets adäquate und stimmungsvolle Musik (Mila Morené).


s.l. - red. / 13. Juni 2004
ID 1011
Weitere Infos siehe auch: http://www.hexenkessel-hoftheater.de






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