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Feuilleton


Oper Bonn, 25.01.09

Richard Strauss: Elektra



Auf den Tag und die Stunde genau 100 Jahre nach der Uraufführung von Richard Strauss’ Oper „Elektra“ präsentiert die Oper Bonn ihre Version in der Regie von Generalintendant Klaus Weise. Und zugleich war diese Premiere das Debüt des neuen Generalmusikdirektors Stefan Blunier am Pult der Oper.

Es beginnt mit einer Grundreinigung. Offenbar wurde am Hofe von Klytämnestra in letzter Zeit so gewütet, dass das Blut die Wand hochgespritzt ist, die das gesamte Portal einnimmt und parallel zur Rampe steht. Sie verbirgt einen Großteil der Bühne vor den Blicken der Zuschauer. Geschickt spielt das Bühnenbild von Martin Kukulies mit dem Problem, dass vieles in dem Stück nicht gezeigt, nur berichtet wird. Bei entsprechender Beleuchtung wird die Wand transparenter, lässt erahnen, was dahinter geschieht, oder lädt zu – recht effektvollen – Schattenspielen ein.

Vor dieser Wand steht Elektra. Sie ist ausgeschlossen vom Rest des Hofes und verharrt bei einem Tuch, unter dem neben dem Beil, mit dem ihr Vater ermordet wurde, vermutlich auch dessen Leiche verborgen ist. Hier beschwört sie die Erinnerung an den Tod Agamemnons, ihres Vaters. Dahinter herrscht ihre Mutter Klytämnestra auf einer schrägen Rampe, die sichtbar wird, wenn die Wand zur Seite geschoben wird. Vorteil und Nachteil bei diesem Bühnenbild: Das komplette Geschehen spielt sich – bis auf wenige Ausnahmen – äußerst rampennah ab.

Klaus Weises Inszenierung ist unaufdringlich, aber auch wenig zwingend. Zumeist wird illustriert, was der Text sagt. Und Elektra wedelt so häufig mit dem Beil, dass man sich fragen kann, warum es ihr noch keiner weggenommen hat, wenn doch alle ihre Rache fürchten. Gelungen sind vor allem die intimen Momente der Zweisamkeit: Chrysothemis klagt Elektra an, ihr durch ihr Verhalten die Möglichkeit zu rauben, ein normales Leben als Frau und Mutter zu führen. Und auf einmal ist Elektra gar nicht mehr so abweisend und kalt, sondern erlaubt es ihrer Schwester, sich bei ihr anzulehnen. Von großer Nähe auch die Szene, in der Klytämnestra von ihrer Tochter erfahren will, wie sie ihre Träume besiegen kann. Der Zuschauer ahnt die Lösung, die Klytämnestra nicht gefallen wird: sich selbst oder Aegisth zu opfern. Klytämestras Kopf liegt in diesem Moment in Elektras Schoß, bevor diese kurz darauf das Beil gegen ihre Mutter erhebt.

Musikalisch fulminant sind vor allem die Gäste Barbara Schneider-Hofstetter und Ann-Marie Backlund. Während Erstere mit bewundernswerter Stimmkraft und Energie die Titelpartie bewältigt, ist es bei Letzterer vor allem die anrührende Rollengestaltung, die überzeugt. Umjubelt auch die Premiere von Stefan Blunier, der bei aller musikalischen Prachtentfaltung des Orchesters dennoch darauf achtet, dass auch die Sänger zu verstehen sind.

Einen überraschenden und irritierenden Moment gibt es dann doch noch, kurz vor Schluss. Orest hat Klytämnestra und Aegisth ermordet, Elektras Rache hat sich erfüllt. Und während sie triumphiert, werden gefüllte schwarze Säcke von oben auf die schräge Rampe geworfen. Hier wird fassbar, wie Orest unter den Hofangehörigen gewütet hat, wenn ein schwarzer Sack nach dem anderen schwer auf den Boden klatscht und die Schräge herunterrutscht. Elektras Ekstase erfährt so einen äußerst faden Beigeschmack. Die Botschaft ist eindeutig: Gewalt ist keine Lösung und produziert nur neue Gewalt, immer neue Leichenberge. Der alte Herrscher ist tot, nun präsentiert sich der neue. Allerdings nur für kurze Zeit. Die Geschichte ist bekannt: Orest flieht. Gehetzt von den Erynnien, den antiken Rachegöttinnen, muss er den Mord an seiner Mutter büßen. Chrysothemis, den einzigen Menschen in dieser Konstellation, verliert die Mythologie aus den Augen. Schade eigentlich, wir hätten zu gerne gewusst, was aus ihr geworden ist.


Richard Strauss
Elektra

Tragödie in einem Aufzug
Text von Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung: Stefan Blunier
Inszenierung: Klaus Weise
Bühne: Martin Kukulies
Kostüme: Fred Fenner
Dramaturgie: Ulrike Schumann
Choreinstudierung: Sibylle Wagner
Licht: Thomas Roscher

Klytämnestra: Daniela Denschlag
Elektra: Barbara Schneider-Hofstetter a.G.
Chrysothemis: Ann-Marie Backlund a.G.
Aegisth: Mark Rosenthal
Orest: Mark Morouse
Der Pfleger des Orest: Egbert Herold
Die Vertraute: Erika Detmer
Die Schleppenträgerin: Vardeni Davidian
Ein junger Diener: Johannes Mertes
Ein alter Diener: Johannes Flögl
Die Aufseherin: Sigrún Pálmadóttir
1. Magd: Elisabeth Hornung a.G.
2. Magd: Susanne Blattert (31. Jan.; 6., 27. Feb.)/Ramune Slizauskiene (25. Jan.)
3. Magd: Anjara I. Bartz
4. Magd: Julia Kamenik (25., 31. Jan.; 6., 27. Feb.)/Asta Zubaite
5. Magd: Anna Virovlansky

Chor des THEATER BONN
Beethoven Orchester Bonn

Premiere am 25. Januar 2009, weitere Termine am: 31.01., 06.02., 27.02.


Karoline Bendig - red. / 26. Januar 2009
ID 4180

Weitere Infos siehe auch: http://www.theater.bonn.de





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