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Feuilleton


Komödie am Kurfürstendamm, Berlin

"Der Menschenfeind"

Aus dem Französischen des Molière von Hans Magnus Enzensberger

Vorstellungen bis 5. November 2006



Der MENSCHENFEIND wird nach seiner Uraufführung im Jahre 1666 wohl einigen Krach am Hofe Ludwig XIV. verursacht haben; geht der Protagonist des Stückes doch recht schonungslos mit den Ränkespielen der gehobenen höfischen Kreise ins Gericht.
Dass die Neuinszenierung dieses Stückes durch die Komödie am Kurfürstendamm auch nur annähernd eine ähnliche Wirkung haben wird, ist dagegen nicht zu erwarten. Denn dafür besitzen die allgegenwärtigen Untugenden gesellschaftlichen Emporkommens heutzutage wohl zu wenig streitbares Potential. Gerade diese Tatsache zieht dem "Menschenfeind" im Allgemeinen und der Inszenierung im Besonderen jedoch ein gutes Stück weit den Boden unter den Füßen weg.


Photo: Thomas Grünholz


So muss man es schon ein wenig hintersinniger anstellen, wenn man mit einem solchen Schauspiel noch irgendjemandem den tugendhaften Spiegel vors Gesicht halten will. Hier ist es eher aufgeräumt und übersichtlich; Gut und Böse teilt die Welt und ist recht eindeutig zu identifizieren.
Der Rahmen ist eine Party, die Gäste sind die Darsteller des so genannten gesellschaftlichen Lebens: Politiker, Möchtegern-Schriftsteller und die, die immer dazugehören. Die Bühne stellt eine hübsche berlinische Dachlandschaft dar, das Personal kommt durch eine Luke, wenn es etwas zu sagen hat, ansonsten gibt es keine Auffälligkeiten. Der Menschenfeind Alceste, solide gegeben von Thomas Schendel, wirkt meist nur verbittert und schrullig, wenn er immer wieder seine ehernen Prinzipien gegen Heuchelei und Intrigantentum ins Felde führt. Das kann man natürlich auch als schreiende Kapitulation vor dem schlechten Zustand der Welt deuten, doch darauf ist die Dramatik des Stückes nicht angelegt. Zwar besitzt die Figur des Alceste einiges an tragischem Potential, so ist er unsterblich in die flirrende Kokotte Célimème (Adisat Semenitsch) verliebt, die genau das repräsentiert, was er verachtet, doch wird dieses allzu oft für einige seichte Lacher verschenkt.
Das Publikum honoriert dies zwar artig, aber mehr kommt beim Ganzen nicht rum.


Photo: Thomas Grünholz


Das ist schade, denn das Stück hält mehr bereit, hätte man es nur deutlicher in eine Richtung entwickelt. So aber erscheint der Konflikt des Menschenfeindes mit seiner Umwelt eher als schnöde Pose, denn als tiefe Verzweiflung an der Welt.
Nach der Pause nimmt die Handlung noch einmal Fahrt auf.
Célimème muss Farbe bekennen und sich zwischen Alceste und der geliebten Bussi-Gesellschaft entscheiden und jetzt wird auch die Intention der Inszenierung deutlich: eine gute Unterhaltung bieten zu wollen. Und das gelingt auch durch die Übersetzung von Hans Magnus Enzensberger aus den 70er Jahren.
Der Text wurde zwar auf die Verhältnisse der Bonner Republik zugeschrieben, hat aber an Gültigkeit nichts eingebüßt. Er kann als exemplarisch dafür gelten, wie ein schwieriger Text so modernisiert wird, dass er der neuen Zeit gemäß ist, darüber aber nicht seinen poetischen Gehalt verliert.



Robert Schultz/ 12.Oktober 2006
ID 00000002723
Komödie am Kurfürstendamm
"Der Menschenfeind"

Aus dem Französischen des Molière
von Hans Magnus Enzensberger

Besetzung:
Thomas Schendel als Alceste
Matthias Zahlbaum als Philinte
Wilfried Hochholdinger als Oronte
Adisat Semenitsch als Célimème
Angela Schmidt-Burgk als Éliante
Manon Straché als Arsinoé
Hans-Jürgen Schatz als Acaste
Henry Nandzik als Clitandre

Regie: Martin Woelffer
Bühne: Anja Wegener
Kostüme: Anja Niehaus

Weitere Vorstellungen bis 5. November 2006

Weitere Infos siehe auch: http://www.komoedie-berlin.de/






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