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31. März 2012, Theater Lübeck

DIE LUSTIGE WITWE



DIE LUSTIGE WITWE am Theater Lübeck - Foto (C) Oliver Fantitsch


Gold für Hanna

Für mich ist es wirklich faszinierend, dass in Stadttheatern die korrekte Abendgarderobe - wie auch immer sie aussehen mag - noch immer eine große Rolle spielt. Steht dann zudem Operette auf dem Plan, wird’s kriminell. Ich trage Jeans und weißes Shirt, aber auch Sakko und Lederschuhe, beides schwarz - und dennoch: Was in einer Berliner Repertoirevorstellung geflissentlich übersehen worden wäre, taugt im Foyer vom Theater Lübeck für Blicke, als käme ich vom anderen Stern. Ich vertiefe mich ins Programmheft und bleibe an einem Beitrag mit der Überschrift „Sogar Geschmack“ hängen. Adorno vergleicht darin zwei Vorstellungen von Lehárs Lustiger Witwe und kommt zu dem Urteil, dass sich das seriöse Opernhaus - er meint das in Frankfurt - dafür rächt, dass man ihm Operette zugemutet hätte. Zitat: „Der umfängliche Apparat hängt sich wie Blei an das leichte Stück, lässt es nicht ausschwingen und leiht ihm Prätentionen, die es nicht erfüllen kann.“ Nun ist ein Vergleich zwischen einem Kurtheater in Binz auf Rügen, wo Adorno die bessere Aufführung gesehen hat, und dem Theater Lübeck natürlich völlig abwegig. Dennoch bin ich geneigt, dem genialen Philosophen zuzustimmen, denn meine letzten Witwen-Erlebnisse an Rhein-, Semper-, Linden- und Hamburgischer Staats-Oper waren vor allem eins: nicht lustig.

Nun sitze ich also im Parkett, beobachte Jan-Michael Krüger dabei, wie er vergnügt die Takte schnippst, höre aus dem Graben, mit wie viel Lust dort unten Musik gemacht wird, schaue auf die Bühne, wo man mit Charme und Herzblut bei der Sache ist, und stelle schon nach fünf Minuten fest: Dieser Abend kann gar nicht in die Hose gehen! Regisseur Michael Wallner macht sich über das Genre nicht lustig, zerhackt nichts, verdramatisiert auch nichts. Er ist nämlich so klug, auf die Tiefe zu vertrauen, die im Stück selbst bereits angelegt ist: Chapeau für so viel Respekt vor der alten Tante Operette! Dazu konzentriert Heinz Hauser sein Bühnenbild auf einige Troddel-Leuchten und Vorhänge, steuert Tanja Liebermann Kostüme in Form von luftigen Ballonröcken (zum Druntergucken) und steifen Schwalbenschwänzen (ohne Worte) bei, rufen Maske und Licht Erinnerungen an den großen Bob Wilson wach. Was für ein spielfreudiges Ensemble (allen voran: Steffen Kubach als Mirko Zeta und Mark McConnell als Njegus), was für ein herrlich verwuschelter, melancholisch anrührender Danilo (Daniel Szeili) und was für eine höhenstrahlende, strahlend schöne Glawari (Patricia Andress). Mit Lehár im Ohr stürze ich mich in die Lübecker Nacht. Wann zuletzt bin ich derart euphorisch aus einer Operette gekommen? Sorry Berlin, aber die heitere Muse küsst hier definitiv besser. So ist's nun mal - und fertig!



DIE LUSTIGE WITWE am Theater Lübeck - Foto (C) Oliver Fantitsch


Heiko Schon - 8. April 2012
ID 5834
DIE LUSTIGE WITWE (Theater Lübeck, 31.03.2012)
Musikalische Leitung: Jan-Michael Krüger
Inszenierung und Choreographie: Michael Wallner
Bühne: Heinz Hauser
Kostüme: Tanja Liebermann
Chor: Joseph Feigl
Dramaturgie: Dr. Katharina Kost-Tolmein
Besetzung:
Mirko Zeta … Steffen Kubach
Valencienne … Rebekka Reister
Danilo Danilowitsch … Daniel Szeili
Hanna Glawari … Patricia Andress
Camille de Rosillon … Patrick Busert
Cascada … Hyeon-Jun Yeoum
St. Brioche … Hyo Jong Kim
Bogdanowitsch … João Carrera
Sylviane … Birgit Macziey
Kromow … Tomasz Mysliwiec
Olga … Imke Looft
Pritschitsch … Mark McConnell
Njegus … Hannes Gastinger
Grisetten … Ulla Benninghoven, Meybritt Dettbarn, Julia Franz, Katja Grzam, Michaela Meyer, Jessica Nupen
Cabarett-Geiger … Eva Deak
Chor des Theater Lübeck
Philharmonisches Orchester der Hansestadt Lübeck
Premiere war am 14. Oktober 2011
Weitere Vorstellung: 13. 4. / 3. 5. 2012


Weitere Infos siehe auch: http://www.theaterluebeck.de


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