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Theater- Feuilleton

Der reizende Reigen

(nach dem Reigen des reizenden Herrn Schnitzler)

Werner Schwab
Rose Theegarten Ensemble / Arkadas Theater, Köln


Werner Schwabs Version von Schnitzlers Reigen ist dicht am Original. Gerade ein wenig modernisiert, vor allem aber in der ihm eigenen Sprache, läßt er das bekannte Personal aufeinander treffen, kopulieren, in die nächste Szene weiter ziehen. Die Sprache aber ist es, die dieser Variation ihren eigentlichen Reiz gibt. "Schwabisch" nennt es das Feuilleton. Eine Sprache, die sich oft um sich selbst dreht, mit Verschiebungen, Verdrehungen und ungewöhnlichen Vernetzungen arbeitet. Das ist oft entlarvend und vor allem überaus komisch. Regisseur Christoph Rech läßt der Sprache in dieser Inszenierung Raum, arbeitet die Pointen heraus und läßt Schauspielern und Publikum gleichermaßen teilhaben an diesem intellektuellen Vergnügen.

Überhaupt geht es sehr amüsant zu auf der Bühne. Ein gutes bis exzellentes Ensemble erfindet bis ans Groteske gehende Figuren, die in adäquat hübsch-bunte und bezeichnende Kostüme gekleidet sind. Zwischen Parodie und Wahnsinn wird sehr körperlich agiert und auf hohem Niveau miteinander gespielt. Herausragend Josef Hofmann als Ehemann. Sehens- und vor allem hörenswert auch die Variationen über Orgasmusgeräusche. Da kann sich sogar Meg Ryan (aus "Harry und Sally") noch eine Scheibe abschneiden. So kommt dieses zu einer Nummernrevue neigende Stück kurzweilig über die Runden.

Aber Schwabs Text erzählt mehr: In Form und Inhalt seiner Sätze ist auch die Rede von Gewalt, Demütigung, Einsamkeit, Sehnsucht. In kurzen Momenten findet sich auch diese Ebene auf der Bühne wieder, etwa, wenn der Ehemann seine Frau ohrfeigt und einfordert, daß sie ihm dies gestatten müsse, oder wenn der Politiker und die Hure sich am Ende verabschieden und eine Spur Sehnsucht nach Liebe deutlich wird, die über den körperlichen Akt hinaus geht. Aber das bleiben leider eben nur kurze Momente, die Inszenierung setzt insgesamt auf Witz und Spielfreude. In dieser Oberflächlichkeit aber findet sich eine Qualität: es ist erstklassige intellektuelle Comedy, schauspielerisch einwandfrei, so daß der Abend auch auf einer karg-kärglichen und bedenklich beleuchteten Bühne wirkungsvoll bleibt.

Sven Lange / 6. April 2003
Spielzeit: ca. 100 min. ohne Pause

Ensemble: Josef Hofmann, Claudia Holzapfel, Bettina Muckenhaupt, Gabriele Quast, Charles Ripley, Thomas Wenzel, Eleonora Vujin
Regie: Christoph Rech
Bühne: Andreas Mangano
Kostüm: Marette Oppenberg
Licht: Ulrich Schneider

www.rose-theegarten-ensemble.de
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