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Theaterkritik

Die Rabenfrau

Von Marcel Cremer
AGORA
Studiobühne, Köln


Über dem Kopf der Schauspielerin hängt ein Nest, weit außerhalb ihrer Reichweite. Daneben ein Monitor, auf dem Bilder von Baumkronen und Wolken zu sehen sind. Eine Wand voller dunkler Gesichter, ein Berg aus Flaum, Holzstücke. Jedes Teil ein Zeichen aus der Welt der Frau, von der diese Geschichte handelt.

Die Frau hat einen Raben und sie trägt am liebsten geblümte Kleider. Man sagt, sie trage nichts darunter. Manchmal geht sie tanzen. Eine merkwürdige Frau. Viola Streicher spielt, tanzt und erzählt von dieser Außenseiterin. Knapp sechzig Minuten führt sie mit hohem körperlichen Einsatz diese Figur vor. Da ist die Geschichte der Mutter aus dem hohen Norden. Auch sie war eine eigenwillige und besondere Frau. Und schließlich ist da das tragische Ereignis.

Die Spielzeit von nicht ganz einer Stunde vergeht wie im Fluge. Zwischen langen tänzerischen Episoden erschließt sich im Erzählen und Spielen die Geschichte und doch bleibt ein Geheimnis zurück. Und wenn zum Ende hin ein furioses Feuerwerk folkloristischer Geigen den Abgang der Rabenfrau begleitet, leuchtet Trotz auf, Trotz gegen eine Welt der Gleichmacherei und ein Bekenntnis zum Eigenwilligen. "Die Rabenfrau", so das Programmheft, "ist ein Plädoyer für den eigenen Vogel, das ganz Persönliche, das Anderssein". Es ist ein gelungenes Solo für Viola Streicher.

Sven Lange / 11. Oktober 2002
Spieldauer: 55 min.

mit:
Viola Streicher; Regie: Marcel Cremer; Bühne: Sabine Rixen, Gerd Vogel, Marcel Cremer; Video: Christiane Hommelsheim

www.agora-theater.net
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