PLANET PORNO – DIE ERSTE NUMMER
Theaterdiscounter Berlin
Vivien Mahler in Planet Porno, Foto: Christian Schulz
Schnell geschrieben, schnell geprobt, schnell aufgeführt. Stücke für das und aus dem täglichen Leben. Seit April gibt es in Berlin den Theaterdiscounter, wo das Bier 1,99 kostet und das Ticket 9,99, wo die Pressemappe einem Lieferschein ähnelt. Prominente Namen der jungen deutschen Dramatik finden sich auf der playlist: Ulrike Syha und Tim Staffel z.B. Und heute lockt uns der Titel, der uns eine Verbindung unserer niedrigsten Triebe mit unseren höchsten Ambitionen verspricht. Geilheit und Ästhetische Erfahrung. Scharfes Theater, das wollen wir sehen.
Zwei Damen spielen Federball im Foyer und stöhnen sich dabei etwas zurecht, was gleichermaßen an Wimbledon und an Beate Uhse erinnert. Wir sind gespannt. Das Stöhnen zwischen sportlicher Betätigung und aufgesetzter Lust zieht sich durch die nächsten Szenen, wenn die drei Akteure sich als Stefan Effenberg, Tic, Tac, Toe, J-Lo, Britney etc. vorstellen. Die Texte, die sie sprechen sind aus Interviews, Biographien, Zeitungsausschnitten zusammen gebastelt. Der Vortrag ist in einer unterspielten Lässigkeit oft witzig und entlarvend. Mitunter blitzt sogar eine gewisse Tragik der Figuren, soll heißen deren realer Pendants, auf.
Die SchauspielerInnen Vivien Mahler, Loretta Stern und Patrick Wengenroth (der auch für die "Realisation" verantwortlich zeichnet) ziehen ihren Stiefel locker, unverkrampft und kompetent durch. Vivien Mahler fällt mit ihrer subtilen Gestik besonders positiv auf. Allein, es wird lang, wenn Roland Koch und Teresa Orlovsky aus ihrem jeweiligen Leben erzählen und es stellt sich die Frage, welcher inneren Dramaturgie der Abend folgt oder ob. Warum hören wir zwischendurch Lieder von Peter Maffay und Herbert Grönemeyer. Wo ist das erwartete "scharfe" Theater geblieben?
Auf dem Programmzettel steht: "Ein Geständnis von Donald Rumsfeld: Gelegentlich stehe ich hier, mache irgendwas und ich denke: Was um alles in der Welt mache ich eigentlich hier? Es ist eine große Überraschung." Das ist vielleicht eine Erklärung oder eine Entschuldigung für einen Abend, der den Faden verlor.
Sven Lange / 14. Juli 2003
Mit:: Vivien Mahler, Loretta Stern, Patrick Wengenroth (auch Regie)
www.theaterdiscounter.de
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