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Theaterkritik
Odyssee - nach Homer (Rose Theegarten Ensemble, Köln)

Odyssee - nach Homer (Rose Theegarten Ensemble, Köln)

Ein Geviert von (Schiffs)planken, von schwarzen Gazewänden umzäunt, das ist die Spielfläche für sechs Schauspieler (Bühne: Andreas Mangano). Barfuß in hellen Hosen und Hemdchen (Kostüm: Judith Fischer), bewaffnet mit je zwei kurzen Stöcken, die Schwerter sind und Ruder, Schiffsmasten gar, erzählen sie uns die Geschichte und verwandeln sich mit einfachsten Mitteln in die Figuren der Homerschen Odyssee. Köstlich der Auftritt des Zyklopen (Georg B. Lenzen) oder die Begegnung mit Circe (Claudia Holzapfel). Einen weiteren
Höhepunkt setzt Josef Hofmann als Zeus mit dem Gestus des "Paten". Charles Ripley als Odysseus zeigt sich mal kämpferisch, mal eitel, aber auch ratlos und immer wieder berückend komisch.

Schön wärs gewesen, wenn das Stück durchgehend die Qualität seiner besten Szenen gehabt hätte. Zu oft aber erlebt man die Schauspieler bei merkwürdigen Verrichtungen, die gutwillig als Kontaktimprovisation
verstanden werden könnten, böswillig als therapeutische Turnübung. Leider treten auch sprachliche Mängel bei einigen Darstellern zu Tage und wenn mitunter viel erzählt aber wenig gespielt wird, entstehen Längen.

Am Ende gelingt ein bewegendes Bild. Odysseus kehrt heim und steht seiner Frau Penelope gegenüber. Plötzlich stellt sich eine Tiefe ein, die dem Stück bis dahin fremd war. Wir wissen am Ende leider nicht, warum Odysseus überhaupt auf Reisen war. Der Programmzettel nennt ihn einen beharrlichen Dulder, aber er ist offensichtlich mehr als ein dem Schicksal Ausgelieferter. Textfassung und Regie (Thomas Wenzel) bleiben hier uneindeutig und entziehen dem Stück damit einen dramatischen Unterbau.

Trotz der Mängel aber eine mutige und oft sehr überzeugende Spiel-Art. Ein besonderes Lob verdient das wirkungsvolle und geschickt eingesetzte Lichtdesign von Martin Wiesenhöfer.

Sven Lange

Premiere 7. 10. 2000, Studiobühne Köln
Regie und Textfassung: Thomas Wenzel
Dramaturgie: Stephan F. Meier, Gabriele Quast
Bühne: Andreas Mangano
Kostüm: Judith Fischer
Licht: Martin Wiesenhöfer
mit: Josef Hofmann, Claudia Holzapfel, Georg B. Lenzen, Bettina
Muckenhaupt, Charles Ripley, Eleonora Vuijin

weitere Termine:
8./11.-14./16.-21. Oktober, 20 Uhr in der Studiobühne Köln, Universitätsstr.16a
Tel.: 0221 - 470 45 13

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