Premiere 06.09.08, Theater im Bauturm, Freies Schauspiel Köln
Mutters Courage
von George Tabori Inszenierung: Harald Demmer
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Christiane Bruhn, Frank Voß | Fotos: Anja Reiermann
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Was von Courage übrig blieb
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| Ein kleines Meisterwerk: Zu Teilen ein Stück nationalsozialistischer "Alltag" und Historie, versetzt in das Theater am Bauturm, und gleichsam ein wenig Legende, fast schon düsteres Märchen – George Tabori, einer der bedeutendsten europäischen Dramatiker der Nachkriegszeit, hat mit "Mutters Courage" ein dramatisches Bildnis erschaffen, das in der Inszenierung im TiB mal familiär-emotional, dann wiederum derb und schonungslos grobschlächtig daherkommt, aber immer unter die Haut geht.
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| Mit dem Wissen, dass "Auschwitz" Reaktionen zwischen Überdruss, Beklemmung und Scham auszulösen vermag, stellen sich u.a. Frank Voß alias George Tabori und Christiane Bruhn als dessen Mutter Elsa bei der Premierenaufführung am 06.09. im Theater am Bauturm einem kritischen Thema und einem nicht minder kritischen Publikum, und meistern intellektuelle, künstlerische und erzähltechnische Ansprüche mit Bravour.
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| Was zunächst wie ein Vorkonstrukt minimalistischer Kunst anmutet, entpuppt sich als polyphones Kammerspiel, in dem nach Lust und Laune gepoltert, gesäuselt und gebellt wird. Auf einer eher spartanisch eingerichteten Bühne agieren Mutter und Sohn in einem weiteren Raum in Form eines drehbaren Guckkastens, je nach Lage als Leinwand fungierend oder als Kammer, Eisenbahnwagen respektive überdimensionaler Sarg interpretierbar. Mit einem solchen Auftaktszenario wird die Erwartung mancher Zuschauer vielleicht sinken, doch auch Neugier kann dadurch geweckt werden.
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Denn die eigentlich simple und schnell zu erzählende Geschichte um einen jungen Mann und seine Mutter, die nur knapp und mit einer ordentlichen Portion Mut und Glück der Hölle entkommt, wird hier grandios von Harald Demmer in Szene gesetzt und von den zwei Akteuren sowohl mit natürlicher Eloquenz als auch mit überragender körperlicher Ausdruckskraft getragen.
Wie Elsa Tabori in Budapest auf dem Weg zu einer Rommérunde verhaftet und in einen Viehwaggon gesperrt wird; und auf einem Umschlagplatz mithilfe eines deutschen Offiziers der Deportation nach Auschwitz mit ca. 4000 weiteren Gefangenen entkommt, ließe sich langatmig oder aber aufwändig-effektheischend darstellen - hier wird ein gelungener Mittelweg gewählt.
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Mit einem Minimum an Requisiten und Personen wird ein aufreibendes, interessantes Stück erzeugt, das mit der Verwendung des Zeitraffers und der Vielschichtigkeit auf der Erzählebene zwar etwas verwirrt und mit Eindrücken überflutet, aber dennoch nichts dem Zufall überlässt. Der Einsatz von Licht und Schatten ist gekonnt, kein Detail ist überflüssig. Was an Emotionalität auszuleben ist, das wird auch ausgelebt - man bedenke, dass beide Darsteller in mehrere Rollen schlüpfen und mal die Symbolkraft des Davidsterns, mal die des Hakenkreuzes mit großer Schauspielkunst ausfüllen müssen. So wird dem Zuschauer auf vielgestaltige Weise die körperliche Enge des Viehwaggons und die geistige Enge der Verantwortlichen nahegebracht.
Taboris 1979 entstandenes Stück ist in seiner Wirkung abwechselnd lakonisch-komisch, dann wieder angsteinflößend-brutal, und damit eventuell nicht mehr oder weniger verstörend als andere Werke, die um dieses Thema kreisen, doch auf seine Art anders, vielleicht etwas provozierender, weil eben ohne Pathos und sentimentales Selbstmitleid. Und damit ist es nicht nur überraschend selbstironisch, sondern vor allem auch eins: couragiert.
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Jaleh Ojan - red / 14. September 2008 ID 4049
Mutters Courage
von George Tabori
Inszenierung: Harald Demmer
weitere Termine im November 2008:
13., 14., 15. November 2008
Theater im Bauturm
Freies Schauspiel KÖLN
Aachener Str. 24-26
50674 Köln
Kartentelefon: (0221) 52 42 42
Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-im-bauturm.de/
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