MÜTTER UND MÄNNER (UA)
Amina Gusner/Anne-Sylvie König
Theater unter dem Dach, Berlin
Zwei Männer und zwei Frauen auf weißem Tanzteppich, vier weiße Klappstühle
und drei Leuchtkästen, die zwar dekorativ, aber unbespielt auf der Bühne
herumstehen. Im Hintergrund fast durchgehend die Art von akustischer
Architektur, die man aus Clubs und Bars und Chill-Out-Lounges kennt. Die
Schauspieler sprechen Sätze, die einem vertraut vorkommen. Schnipsel aus der
Alltagswelt des Großstädters von heute. Es sind kluge, banale, witzige und
manchmal gar berührende Sequenzen, die assoziativ aus dem Leben von Singles
destilliert wurden. Die Figuren und Szenen wechseln im Rhythmus der Musik. Und
dann wird auch die Theaterebene selbst noch zum Thema, das spielen von Rollen.
Man könnte es Postdramatisches Theater nennen - es gibt keine durchgehenden
Figuren, keine eigentliche dramatische Handlung, wiewohl die Figuren in einem
ständigen Drama leben. Die Autorin/Regisseurin Gesine Danckwart ist mit dieser
Art Stücken bis in die deutschen Feuilletons und zum Abdruck in THEATER HEUTE
vorgedrungen. Richtigerweise nennt Autorin und Regisseurin Amina Gusner ihre
Arbeit eine szenische Montage. In Koproduktion mit dem Staatstheater Kassel und
dem Theater unter dem Dach, Berlin, führt ihre eigene Gruppe "allein-im-hausflur"
diese Montage in 75 pausenlosen Minuten auf.
Wir begegnen den Figuren in verschiedenen Alltagssituationen, auf dem
Spielplatz, allein zu Hause, telefonierend, Beziehungsgespräche und
-streitereien führend. Die Szenen entstehen wie kleine musikalische Motive,
angedacht aber nicht durchgeführt. Auch ist das Meta-Thema, das der Titel
vorgibt, nicht immer fassbar. So bleibt der Abend auf der dramaturgischen Ebene
etwas schwebend. Auf der Ebene des Spiels aber ist er amüsant, wahrhaftig,
mitunter berührend. Alle vier Schauspieler verstehen es, eine Form von
Authentizität herzustellen, die den Texten Kraft und Gewicht gibt. Mit großer
Gelassenheit und wie selbstverständlich wechseln die vier Akteure Figuren und
Situationen, beherrschen die unterschiedlichsten Töne und halten somit den Abend
über eine goutierbare Spannung aufrecht. Allein ihretwegen ist ein Besuch der
Veranstaltung lohnenswert.
s.l. - red / 18. Oktober 2003
mit: Anne Keßler, Kristin Muthwill, Peter René Lüdicke, Frank Voigtmann;
Regie: Amina Gusner; Bühne: Johannes Zacher; Kostüme: Inken Gusner; Musik: Paul
Wilke; Dramaturgie: Anne-Sylvie König.
75 min. ohne Pause
www.allein-im-hausflur.de