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nachDRUCK # 6

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Feuilleton


Schlosspark Neuhardenberg, Berlin August 2006

Jonathan Meese ehelicht Martin Wuttke

Eine Walz auf den Spuren von Nietzsches Zarathustra im Schlosspark Neuhardenberg

Viel versprechend als "theatralische Exkursion" angekündigt, gestaltete der Schauspieler Martin Wuttke mit dem Maler Jonathan Meese eine Wanderschaft frei nach Nietzsches "Zarathustra". Als Bühne dient dem ungleichen Paar der Park des von Schinkel klassizistisch umgebauten Schlosses von Neuhardenberg, den sie kreuz und quer durchlaufen, sich dabei trennen und wieder finden, um sich auf der kleinen Insel inmitten eines Teiches einzuschiffen und am Ende selbst das Publikum in Bewegung zu setzten. Physisch wird also einiges geboten.


Foto: Thomas Aurin (http://www.schlossneuhardenberg.de)


Wuttke und Meese bekommen ständig die Kleider gewechselt, mal treten sie als schwarze Witwen, mal als exaltierte Diven auf, und sind dabei immer in Bewegung. Hier bricht sich zum ersten Mal der halkyonische Ton von Nietzsches "Zarathustra". Nicht Gelassenheit und Veränderung, sondern kraftprotzendes Gebärden und der Drang zur ständigen Wandlung sind Grundmotive der Wanderschaft. Mit den Kleidern wechseln die Rollen und so gibt sich Wuttke entzückt seinem Kompagnon hin, als dieser durch eine erneute zotenhafte Verwandlung zum "Rosenmeesli" wird.
Das Publikum sitzt währenddessen mit Blick auf den Lenéschen Park vor dem Teich, das Schloss im Rücken, links eine mittelalterliche Burg und zur Rechten eine klassizistische Tempelfront und amüsiert sich darüber, wie die Schauspieler im weiten Areal ihr Bestes geben. Bei Meese sind das die üblichen Versatzstücke aus Wortfetzen und losem Begriff, die entweder gesprochen oder auf Schildchen winkend vorgezeigt werden, sowie, liegend dargebracht, der bekannte naive Pinselduktus. Es werden Götzen aufgestellt, die Burg weist ins Mittelalter oder nach Sils Maria, da wo Nietzsche die Eingebung zu "Zarathustra" hatte, der Weizen wird warum auch immer beschworen und belustigt kann man sich der Assoziation zum Mutterkorn nicht verwehren. Überhaupt wirkt die Wanderung der beiden eher wie ein spiritistischer Trip mit guten Freunden. Martin Wuttke springt beglückt übers Wasser, wenn er einmal einen Monolog hat, ist er gewohnt großartig, bleibt aber außer einigen herrlich schmachtenden Blicken im Hochzeitsgewand eher unauffällig. Da der Ton zudem noch sehr schlecht verstärkt wurde, waren größere Textpassagen nicht zu verstehen. Vieles wurde aber eh vom Band eingespielt, was immer wieder dazu führte, dass Schauspieler, Publikum und Text sich ermüdend weit voneinander entfernten; bei einer Kombination aus Nietzsche, Meese und Wuttke eigentlich nicht zu vermuten.


Foto: Thomas Aurin (http://www.schlossneuhardenberg.de)


Die beiden Akteure wandern jeweils eigene Abwege, kommen aber über eine vage Annäherung an Nietzsche nicht hinaus. Am Ende bleibt ihnen nur die Heirat, um noch irgendwie zueinander zu finden. Und glaubt man dem zärtlichen Schmusen der beiden, dem Drängen des bärtigen Meese und den scheuen Blicken Wuttkes, dann muss es eine Liebesheirat sein. Zur Feier verteilen sie noch die Berliner Armenkost, Soleier mit sauren Gurken und grünem Brot, und dann verschwinden sie so nebenbei, wie sie gekommen sind, irgendwo hinter den Bäumen.

Sich selbst haben Meese und Wuttke den "Zarathustra" wohl ganz ordentlich erschlossen, entrückt genug wirken sie zumindest. Dem Zuschauer, von der Wanderschaft weitestgehend ausgeschlossen, blieb dagegen nur ein wenig Belustigung; aber so muss man sich den Weg zu Übermensch und Utopie wohl vorstellen. Lang ist die Ebene.


Robert Schultz / 15. August 2006
ID 00000002605
»ZARATHUSTRA«
Die Gestalten sind unterwegs
Eine theatralische Exkursion nach Friedrich Nietzsche von und mit Jonathan Meese und Martin Wuttke
Dramaturgie: Gerhard Ahrens
Live-Musik: Jan Czajkowski
Kostüme: Nina von Mechow
(Bitte beachten Sie die geänderte Anfangszeit!)
Theater open air
Freitag 18.08.2006, 18 Uhr, Schlosspark

Weitere Termine
Donnerstag 10.08.2006, Freitag 11.08.2006, Sonnabend 12.08.2006, Sonntag 13.08.2006, Sonnabend 19.08.2006, Sonntag 20.08.2006

Eintritt: € 18.– / ermäßigt € 12.–

Weitere Infos siehe auch: http://www.schlossneuhardenberg.de/programm/theateruebersicht.php






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