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Theaterkritik

Das Matterhorn ist schön

Von Beat Sterchi
INTEATA in DIE BRÜCKE, Köln


Zwei Männer spielen Blockflöte. Das ist lustig. Sie beherrschen die Instrumente, das ist sogar noch besser. Später kommen auch noch eine Trompete, eine Klarinette, ein Saxophon und ein Alphorn zum Einsatz. Das ist passend, denn die drei Paare, die kurz darauf die Bühne betreten, fahren zum Matterhorn, denn das Matterhorn ist schön, wie schon der Titel des Stücks verrät. Bis sie es dorthin geschafft haben, wird aber ausführlich über Brot gesprochen, über Schlüssel, das Auto fahren, den unvermeidlichen Stau. Nicht, daß wirklich etwas verhandelt würde: Sie tauschen Alltagssätze aus, Banalitäten, typische, oft gehörte Allgemeinplätze, sie wiederholen, variieren, wechseln den Tonfall und bleiben doch immer auf der Ebene der deutlich mitgesprochenen Anführungszeichen. In den besten Momenten werden aus diesen Sprachhaltungen musikalische Momente, mitunter sogar im sprichwörtlichen Sinne, wenn z.B. das Wort "Brot" die Basis eines mehrstimmigen Chors wird.

Wenn die sechs Figuren das Zermatt erreichen, reden sie in derselben Art und Weise über das Atmen, Rauchen, Schönheit, Wasser, Eier, etc. Kleine Choreographien lockern das Sprachspiel auf und immer wieder gelingen hübsche Pointen. So ist der Abend über weite Strecken amüsant.

Auf Dauer läßt sich aber eine gewisse Ermüdung nicht vermeiden, allzu durchsichtig ist die Methode, die Pointendichte reicht nicht immer über die Verweigerung einer Dramaturgie hinweg. Die Figuren sind austauschbar, oberflächlich, oft im Übermaß vordergründig. Das ist nicht etwa die Schwäche des Stücks sondern seine Absicht. Beat Sterchi, so erfahren wir aus dem Programmheft, glaubt nicht an ein "dramatisches" Theater. Er hält es für unrealistisch. Die Sprachhaltungen, die er sammelt, die Fragmente, die er zu einem Stück zusammenbaut sind es - realistisch nämlich. Wir haben diese Sätze alle schon einmal gehört, in hundertfacher Variation, aus diesem "Reality-Memory" beziehen sie auch immer wieder ihren Witz.

Ob diese postdramatische Herangehensweise an Theater Zukunft hat, ob sie uns etwas über die Welt erzählt, was das "klassische Theater" nicht kann, sei dahin gestellt. Aber es ist Theater unserer Zeit und damit einen Besuch wert.

Sven Lange / 10. Oktober 2002
Spieldauer: 80 min.

mit:
Christiane Scheda, Christiane Schoon, Evelyn Tzotzakis, Marco Aurel, Hanno Dinger, Peter Stemler; Regie: Inka Neubert; Bühne: Alireza Verzandeh; Kostüme: Susanne Hanf; Dramaturgie: Sandra Nuy; Musik: ebasa & Felix Petry; Choreographie: Ingo Diehl; Ort: DIE BRÜCKE, Hahnenstraße 6, 50667 Köln.

Termine.
10.10.2002 (Premiere) bis 13.10.2002 / 17.bis 20.10.2002 / 21. bis 24.11.2002/ 5. bis 8.12.2002/ jeweils um 20. Uhr

im ehemal. British Council/ "Die Brücke" / Hahnestr.6, 50667 Köln

www.inteata.de
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