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Theaterkritik

William Shakespeare: MACBETH (Schloßtheater Moers)

Lady Macbeth taucht gleich zweimal auf, ihr meuchelnder Gatte ist gar dreifach vorhanden. Dafür müssen diese auch die anderen Figuren des blutigen Dramas übernehmen.
Ein Pianist komplettiert das Ensemble.
Auf einer weißen Einheitsbühne, gern und oft in Nebelschwaden getaucht, konzentriert Intendant und Regisseur Johannes Lepper das Stück auf das Paar im Zentrum. Er läßt seine Schauspieler Zigarren und Zigaretten rauchen, Bier trinken, Pizza essen, läßt sie wüten, schreien, toben. Der Irrsinn, der Familie Macbeth eigentlich am Ende der Geschichte überkommt, ist in dieser Inszenierung von Anfang an präsent.
Das Moerser Publikum ist sichtlich überrascht, soviel "freie Szene" gab es hier wohl lang nicht mehr. In der Pause fällt der Name Castorf, mit dem Zusatz "für Arme".
Zu Beginn des zweiten Teils ist der Zuschauerraum etwas weniger gut gefüllt. Und gegen Ende herrscht eine gewisse Ratlosigkeit.
Doch, das war Macbeth von William Shakespeare; soweit ging es nicht, daß man der Geschichte nicht mehr hätte folgen können. Und ja, die Schauspieler waren beeindruckend in ihrer Kraft und Intensität. Aber wovon handelte das Stück darüber hinaus? Es ist legitim, diese Frage nicht eindeutig in einer Inszenierung zu beantworten.
Dieser Theaterabend hat große Momente, etwa die Szene, in der der alte König Duncan fallen muss (von Jeffrey Zach mit feinem Witz verkörpert), doch es gibt einen Haufen unnötigen Herumhampelns und Tobens und fragwürdige Bezüge ins Publikum. Was der Inszenierung ihre Kraft nimmt, ist das hohe Energie-Level, auf dem von Anfang bis Ende durchgespielt wird. Da fehlen Momente der Ruhe, die eine Basis, eine Plattform, schaffen, auf der die Explosionen sich entfalten könnten. Und warum da ein Pianist auf der Bühne sitzt, weiß man auch nicht so genau.

Dieser Macbeth ist ein Zwitter, nicht so radikal und dekonstruiert, um Abonnenten vollends abzuschrecken und nicht so klassisch, wie man es von Stadttheatern gemeinhin erwartet.

Sven Lange / 08.02.2001
Regie und Bühne: Johannes Lepper
Kostüme: Patricia Kollender, Marijke Volkmann
Musik: Uli Brüstle
mit: Stella-Maria Adorf, Sabine Wegmann, Mike Hoffmann, Frank Wickermann,
Jeffrey Zach
Am Flügel: Uli Brüstle

Aufführungsdauer: 2 Stunden, 45 Minuten, eine Pause.

www.schlosstheater-moers.de
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