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Theaterkritik
Frank Wedekind: LULU. (Theater K. , Aachen)

Frank Wedekind:
LULU. (Theater K. , Aachen)

Es gibt eine Theatertradition, mitunter "psychologischer Realismus" genannt, eine Tradition, die sich bemüht, ein möglichst "reales" Abbild der Wirklichkeit auf der Bühne zu erschaffen, die Mimesis als ihr Grundprinzip versteht und die ihre eigenen Methoden der Herstellung entwickelt hat.

"Method Acting" mag hier ein Stichwort sein. Eine andere Tradition erhebt Künstlichkeit und Formalismus zu Grundbegriffen und hat in Robert Wilsons oder Christoph Marthalers Arbeiten einen deutlichen Ausdruck gefunden. Es gibt auch eine dritte Tradition, eine, die man "dekonstruktivistisch" nennen könnte. Sie ist besonders in der freien Theaterszene beliebt, zerlegt Stücke in Einzelteile und setzt diese dann wieder zusammen. Mitunter ist das Ergebnis solcher Experimente spannend, aufregend, verblüffend, zeigt neue Perspektiven und Deutungsmöglichkeiten auf, manchmal aber wird ein Theaterabend dann beliebig und am Ende kommt nur dummes Zeug dabei heraus.

Wolfgang Franßen und sein Ensemble im Theater K. in Aachen haben diesen dritten Weg versucht. Sie fragmentieren Wedekinds "Lulu", setzen das Stück neu zusammen, festgelegte Rollen gibt es für die sechs Akteure nicht, alle sind Lulu oder auch mal eine andere Figur. Auf einer im Viertelkreis geschwungenen Bühne entstehen Szenen, die von Außenplätzen allerdings nur bedingt zu verfolgen sind in wechselnden Konstellationen. Auffällig ist, daß die Schauspieler dabei nicht gleichberechtigt Anteil haben. Man könnte fragen, warum dort sechs und nicht bloß vier Darsteller hektische Umbauten vornehmen und mit einer Menge Textilien herum hantieren. Man könnte aber auch fragen, warum die Szenen dann doch einen pseudorealistischen Ton haben, warum sie mit merkwürdigen formalistischen Manierismen gebrochen werden oder warum die Arrangements so derart plump sind.

Man fragt aber lange Zeit nicht, denn trotz der Fragmentierung scheint das Drama der Vorlage durch die Inszenierung und hält das Publikum bei der Stange. Erst im zweiten Teil wird dann endgültig klar, daß eine derart unentschiedene bis mangelhafte Regie auch von den motiviertesten Schauspielern nicht über den Abend gerettet werden kann. Manchmal kommt eben doch nur dummes Zeug dabei heraus.

Sven Lange

Premiere 6.10.2000
Regie: Wolfgang Franßen
Dramaturgie: Rolf Blume
Beleuchtung: Jochen Deuticke
Ensemble: Mona Creutzer, Jochen Deuticke, Antje M. Pohsegger, Franceco
Russo, Annette Schmidt, Eva Weissenböck/Katharina Schmitt

Termine

Oktober:
7./11./12./13.14./18./19./20./21./28./30./31.

November
1./3./4./8./9./10./11./15./16./17./18./19.
jeweils 20 Uhr

Theater Karten

0241/15 11 55
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