Theaterkritik
Cesare Lievi: WURZELN AUS ZWEI (Schauspiel Bonn)
|
Cesare Lievi: WURZELN AUS ZWEI (Schauspiel Bonn)
Das Ende einer Beziehungskiste. Der Verlassene sitzt mit seinen Erinnerungen allein auf der Bühne. Er richtet das Wort an den abwesenden Partner und spricht gegen die Wand - vielleicht so, wie es seinerzeit, in vermeintlich glücklichen Tagen, geschehen ist. Realität und Wunschtraum verschmelzen und ermöglichen ihm einen kurzen einen Blick durch Wandspalten.
Dem Publikum gewährt die verwandelbare Kistenkonstruktion des Bühnenbildes einen Einblick in die Erinnerungsbilder und macht das entzweite Paar in getrennten Räumen sichtbar. Ähnlich den zunächst verschlossenen Türen in Blaubarts Schloss zeigen die sich dem Leidenden verbietenden Türen und Fenster den begehrten Menschen.
Die Sehnsucht nach der ehemaligen Vertrauten ist groß, doch die kleingeistige Ansprache, die jeglicher Selbstreflektion entbehrt, bleibt im selbstsüchtigen Wunschdenken stecken. Vielleicht ist das der Grund, weshalb Sie im Nebenraum nur noch in seiner Phantasie existiert.
Über Herkunft und Schicksal der Protagonisten, was sie zusammenführte und die Gründe ihrer Trennung, darüber gibt der Autor Cesare Lievi in seinem Stück keine Informationen. Als Regisseur seines eigenen Stücks verwandelt Lievi die Sequenzen im Zusammenspiel von Sprache, Licht, Musik, Naturtönen und Bühnenraum zu einem Traumspiel ohne Handlung und vermehrt das zwischen den Getrennten geteilte Leiden durch 3 männliche und 3 weibliche Akteure. Die mehrdimensionale Komposition bedient sich dabei des Schmerzes als Wurzel der Poesie.
Die nicht gerade üppige Textvorlage soll Freiräume für Phantasien schaffen und eignet sich durchaus für das unterhaltsame Experiment des wandlungsfähigen Bühnenbildes, doch die Entwicklung der Gestalten zu echten Charakteren scheint durch imaginäre Dialoge und die alleinige Beschreibung der Tristesse nicht möglich.
Es zeugt für das Niveau der präzis agierenden Darsteller, dass die Zuschauer nach einem einstündigen Besuch in dieser Sackgasse der Gefühle kräftig applaudieren.
V. - red 18.09.2000
Uraufführung am 14.9.2000, Schauspielhalle Beuel
Inszenierung: Cesare Lievi
Bühnenbild: Josef Frommwieser
Kostüme: Luigi Perego
Choreographie: Daniela Schiavone
Licht: Gigi Saccomandi
Musikalische Leitung: Oliver Janssens
mit: Angelika Fornell, Therese Hämer, Birte Schrein
Joachim Berger, Timo Berndt, Maximilian Hilbrand
Infos zu weiteren Aufführungsterminen:
http://www.uni-bonn.de/theaterbonn
|
|
 |
|