LE POIDS DES ÉPONGES (Das Gewicht der Schwämme)
Alias Compagnie
Schauspiel Köln
Im Gegensatz zum klassischen Handlungsballett viel früherer Jahre erklärt uns der Titel eines modernen Tanztheaterstücks nicht unbedingt, was wir auf der Bühne sehen. Dabei hat die Alias Compagnie einen Anspruch, die "Bedeutung" des gezeigten nicht hinter formalen Strukturen zu verstecken. Was wir sehen ist: Ein Sofa, ein Teppich, elf TänzerInnen in bunten Kostümen, die Alltagssituationen tänzerisch nachvollziehen. Mitunter dominiert der theatralische Aspekt gar den tänzerischen. Aus den dargestellten und getanzten Szenen eine eindeutige "Bedeutung" des Titels herauszudestillieren mag dem einzelnen Zuschauer in seiner Ratlosigkeit überlassen bleiben. Dieser mag sich aber auch zurücklehnen und einen formal stimmigen, inhaltlich nachvollziehbaren Tanztheaterabend genießen. Nach wenigen Minuten schon ein erster Szenenapplaus für die Truppe - es soll nicht der letzte gewesen sein. Leicht bis lässig kommt die Choreographie daher, verspielt zu brasilianischen Klängen, klassisch zum Walzertakt und überaus poetisch zu einer Sonate von Scarlatti. Wer sich von der heiteren Oberfläche nicht blenden lässt, kann in einzelnen Szenen Abgründe und Tiefen der Bedeutung entdecken, er mag sich aber auch einfach daran freuen, wie geschickt die verschiedenen Theatermittel auf einander bezogen werden, wie Musik, Licht, Choreographie einander die Hände reichen, wie mit kleinen magischen Tricks ein Stuhl über die Bühne "läuft" und ähnliches. Kurzweilig bleibt es bis zum Schluss, der mit einem ebenso überraschenden wie großartigen Bild daher kommt.
Man mag mit gewissem Recht behaupten, daß die "Sprache" dieses Tanzes weder neu noch originell ist, daß die Ästhetik der Inszenierung retro ist, daß der tänzerische Aspekt vergleichsweise kurz kommt - man mag aber mit gleichem Recht behaupten, daß dies ein gelungener, unterhaltsamer Tanztheaterabend ist, der vom Premierenpublikum mit begeistertem Applaus gefeiert wurde.
Mit: Fabio Bergamaschi, Caroline de Cornière, Sofia Dias, Hannes Donabauer, Camille Giraud, Ismael Oiartzabal, Corinne Rochet, Nicole Seiler, Joseph Trefeli, Kylie Walters, Asier Zabaleta; Choreographie: Guilherme Botelho; Bühne: Gilles Lambert; Licht: Pascal Burgat; Kostüm: Caroline de Cornière
Sven Lange / März 2003
|
|
 |
|