Münchner Kammerspiele auf Gastspiel im Hamburger Thalia Theater
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Land ohne Worte/Berliner Geschichten
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von Dea Loher
Dea Loher ist eine der erfolgreichsten deutschen Dramatikerinnen der Zeit. Gerade wurde ihr Stück "Das letzte Feuer" in Mühlheim bei den "Stücken 08" ausgezeichnet. Regisseur Andreas Kriegenburg, der regelmäßig die Uraufführungen Lohers inszeniert, zeichnet für diesen Abend verantwortlich, ebenso wie für die hier zu besprechenden Monologe. Loher und Kriegenburg arbeiten beide häufig in Hamburg und wenn außerdem noch Wiebke Puls auf der Bühne steht, den Hamburger Zuschauern als langjähriges Ensemblemitglied des Schauspielhauses bekannt, dann darf man hier getrost von einem Heimspiel sprechen.
In "Land ohne Worte" reflektiert eine Malerin ihre Kunst, das Verhältnis von Wirklichkeit und künstlerischer Form. Kann Malerei eine Oberfläche schaffen, die auf die dahinter liegenden existenziellen Erfahrungen rekurriert? Als die Malerin (als Touristin?) in ein Kriegsgebiet fährt, stellt sich diese Frage noch einmal ganz neu. Kann dieser Schrecken überhaupt in Farben, Flächen, Formen greifbar gemacht werden? Wiebke Puls ist eingesperrt in einem Glaskasten, aus dem krakenhaft Röhren wachsen. Sie beschmiert die Innenwände und am Ende sich selbst mit schwarzer Farbe. Je mehr sie hinter der Oberfläche verschwindet, desto expressiver werden die geäußerten Gefühle. Hier findet der Regisseur ein adäquates Bild, um den Inhalt des Textes sinnlich erfahrbar zu machen. Hinter der Malerei lauert das existenzielle Grauen. Der Zuschauer wird bis ins Mark erschüttert.
Im zweiten Teil, der nun auf der großen Bühne spielt, ist Wiebke Puls ein Mann. Wiederum ist sie in einem kleinen Kasten eingesperrt, dessen Innenausstattung von der Künstlerin des ersten Teils stammen könnte. Dieser hängt diesmal auf halber Bühnenhöhe und isoliert sie durch umgebende Dunkelheit. Nicht der einzige Verweis auf "Land ohne Worte" In einem hohen Grad von Künstlichkeit beschreibt Wiebke Puls das Leben dieses Mannes zwischen Einsamkeit, Mission, Paranoia und Wahn. Musikalisch eingerahmt von sakraler Heavy Metal Musik schafft Wiebke Puls eine nach Fäulnis riechende Atmosphäre, die dem Text Lohers innewohnt, aber nie ausformuliert wird. Ohne sich oder den Zuschauer zu schonen, führt uns Wiebke Puls dicht an die kranken Gedanken des Mannes heran. Auch in diesem Einakter gehen Text, Regie und Spiel eine Fusion ein, die den Zuschauer verstört zurück lässt.
Krass darf man das nennen. Oder großartig. Beide Male Bravos und langer Applaus.
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Sven Lange - red/ 27. Mai 08 ID 00000003851
Weitere Infos siehe auch: http://www.thalia-theater.de
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