KOPENHAGEN
Kammeroper von Georg Graewe nach dem gleichnamigen Bühnenstück von Michael Frayn
/ Oper Köln - Halle Kalk
Sie sind beide Nobelpreisträger, Niels Bohr und Werner Heisenberg, ihre Namen sind untrennbar mit der Spaltung des Atoms verbunden, ihre Begegnung im Herbst 1941 in Kopenhagen der Mittelpunkt verschiedenster Spekulationen. Michael Frayn hat aus Fakten und Fiktionen ein Stück gebastelt, eine Versuchsanordnung in vier Entwürfen. Geschickt verbindet er politische, philosophische und natürlich physikalische Fragen miteinander und führt so eine mögliche Psychologie des Geschehens vor. Bohr und Heisenberg sind tot, sie treffen sich als Geister wieder und bemühen sich um Aufklärung. Auch dabei: Bohrs Gattin Margarete, die kommentierend eingreift.
Regisseur Uwe Hergenröder findet Bilder, die sowohl dem Inhalt als auch der Form des Stückes auf hervorragende Weise gerecht werden. Statisten doubeln und variieren die Akteure, kommentieren mitunter in kurzen Sequenzen die tiefere Ebene des Stücks – die Bombe, die drohend über allem schwebt. Ein exzellentes Lichtdesign taucht die Variationen über Grau der Kostüme und die einfach-wirkungsvolle Bühne in bewegende Stimmungen.
Und die Musik? Schließlich handelt es sich um eine Kammeroper. Nun, nachdem man sich an die für neue Musik typischen Intervalle gewöhnt hat, die die Sätze der Sänger mit einer unfreiwilligen Komik anreichern, verschwindet sie hinter dem Text, an den sie Silbe für Silbe angebunden ist. Weder kommentiert sie gefühlig noch tut sie weh, ihr stärkster Moment ist das Schweigen kurz vor Ende des Abends. Es mag eine Absicht dahinter liegen, vielleicht ist es der Nachweis, daß man sich nur auf ein Ereignis zur Zeit konzentrieren kann, Text oder Musik, wie wir es in Heisenbergs höherer Physik wieder finden. Dieser Text, der dankenswerter Weise sehr gut verständlich bleibt, fesselt die Aufmerksamkeit aber so sehr, daß sich dem Zuschauer die Frage stellt, ob die Musik überhaupt nötig war. Daß wir es aber mit hervorragenden Solisten und einem entsprechenden Ensemble von Musikern zu tun haben, haben wir bemerkt.
Sven Lange / 22. April 2003
Spielzeit ca. 75 Minuten ohne Pause
Mit: Dalia Schaechter, Ulrich Hielscher, Johannes Preißinger; musikalische Leitung: Oliver Stapel; Regie: Uwe Hergenröder; Ausstattung: Ulrich Schulz; Licht: Hans Toelstede
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