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c.t. 201 / Studiobühne Köln, 1. Oktober 2006

Jedermann – Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes von Hugo von Hofmannsthal


Momento Mori – Gedenke des Todes. Und damit man ihn in „Jedermann“ in der Inszenierung von Heidrun Grote und Dietmar Kobboldt nicht vergisst, bleibt er gleich den ganzen Abend über auf der Bühne. Wobei die Bezeichnung „er“ nicht ganz richtig ist, denn bei c.t. 201 ist der Tod eine Frau, die mit Gott um das Leben von Jedermann kämpft. Denn der Tod möchte Jedermanns Tod verhindert. Zusammen mit Gott lässt er ihn auf verschiedene Menschen aus seinem Leben treffen: die Frau eines Schuldners, die Mutter, seine Geliebte. Gott gibt dabei Jedermanns Gefährten, stets zu Diensten, der ihn aber in seiner letzten Stunde doch alleinlässt.
Da es nur drei Schauspieler gibt, die alle Rollen spielen, wendet die Inszenierung einen Clou an, um die Vielzahl an Figuren auf die Bühne zu bringen und dem Zuschauer die Zuordnung zu erleichtern: Alle Figuren, denen Jedermann begegnet, sind als Puppen vorhanden. Die jeweilige Puppe wird Jedermann überreicht, und der Überbringer schlüpft in diese neue Figur – und das macht vor allem Christina Vayhinger, die durch ihre Körperhaltung und Stimmfärbung jeder einzelnen Figur eine charakteristische Note zu geben vermag.


(C) http://www.studiobuehne-koeln.de/


Auch ansonsten herrscht Einfachheit vor: kein opulentes Bühnenbild oder prächtige Kostüme, stattdessen eine weiß abgehangene Bühne mit einer angedeuteten Tür, in der Bühnenmitte findet sich ein mittelgroßer Nachbau der Bühne, der Platz genug bietet, dass zwei Menschen darin sitzen können, darin noch einmal die Bühne, noch eine Nummer kleiner, vor der über weite Teile des Abends Jedermanns Puppe sitzt. In diese mittlere Bühne kauert sich Jedermann zusammen, als er erfährt, dass er nur noch eine Stunde zu leben hat. Die Kostüme sind etwas gewöhnungsbedürftig und ebenfalls in einfacher Farbgebung: Gott in Blau mit sehr breiten Schultern, der Teufel in einem roten Kleid und Jedermann in einem weißen übergroßen Gehrock mit Brokatbesatz, großzügige Überstände bei den Nähten und Golfschläger. Den wird er allerdings ziemlich schnell an den Teufel los.
Grote und Kobboldt bringen eine konzentrierte Fassung des Jedermann auf die Bühne, in einer klaren Ästhetik konsequent erzählt. Die schauspielerische Leistung der drei Darsteller ist überzeugend, und der Zuschauer wird freundlicherweise auch noch verköstigt: Beim Festmahl erhält er Wein. Zwei Punkte sind allerdings zu monieren: Die Musik ist manchmal etwas störend, vor allem gegen Ende, wenn fast alle Textpassagen über Musik gesprochen werden. Und das Ende ist nicht unbedingt gelungen: Gott hält einen Monolog, nachdem der Tod erst Jedermann und dann sich selbst gerichtet hat. Dieser Text hängt etwas in der Luft, lässt Gott geschwätzig erscheinen. Der eigentliche Schlusspunkt wurde verpasst.
Wie immer bei Produktionen von c.t. 201 ist übrigens das Programmheft zu loben: Umfangreich, mit einem Abdruck des Stücktextes, einem Interview mit Regisseur und Regisseurin und vielen weiteren Texten zum Thema Eitelkeit und Tod.


Karoline Bendig - red / 3. Oktober 2006
ID 2704
Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes.

Mit Christina Vayhinger, Marco Leibnitz, Florian Seigerschmidt
Inszenierung: Heidrun Grote, Dietmar Kobboldt
Bühne: Michael Schnitzler
Kostüme: Hans-Jürgen van Almsick
Licht: Katja Winke
Musik: Barbara Gescher

Premiere in Köln am 15. September 2006

Weitere Infos siehe auch: http://www.studiobuehne-koeln.de/






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