kunst
musik
literatur
theater
film
compu Art
extra
 
redaktion


 

Theater- Feuilleton

Heimat…bitte nicht stören

Von Thomas Wenzel und Gabriele Quast
Rose Theegarten Ensemble
Studiobühne Köln


Heimat - in Deutschland eines dieser von der Vergangenheit belasteten Wörter. Ein Beiklang von Musikantenstadl und Konservatismus, selten ein wirklich positiv besetzter Begriff. Wie geht ein Ensemble mit diesem Thema um, dessen Mitglieder z.T. aus verschiedenen Regionen der Welt stammen?

Ein Vorsprechen: Vier Herren und zwei Damen werden über Lautsprecher aufgefordert, bestimmte Szenen vorzuspielen. Da ist z.B. die Geschichte vom Meineidbauer, mit der das Stück beginnt. Natürlich, eine Parodie übers Volkstümliche darf an einem solchen Abend nicht fehlen. Diese Parodie parodiert sich beinahe noch selber, so vordergründig kommt sie daher. Dann das Stichwort "Obersalzberg", sofort entsteht Spannung, wir ahnen, jetzt kommts dicke. Stattdessen eine Geschichte über eine angenähte Hand, die sich ihrem Besitzer nicht fügen will. Weitere Szenen und Lieder (z.B. "Bergvagabunden") schließen sich in lockerer Folge an. Mitunter mutet es etwas "marthaleresk" an, wie die skurrilen Gestalten von Szene zu Szene und von Lied zu Lied hangeln, um dann wieder auf die Warteschleife geschoben zu werden. In einem insgesamt guten Ensemble stechen Claudia Holzapfel als "lebende Pflanze" und auch als vor der Beschneidung flüchtende Frau sowie Charles Ripley in seiner subtilen, mitunter chaplinesken Art heraus.

Trotz der durchgehend guten schauspielerischen Leistungen stellt sich etwas Verdruss ein. Allzu harmlos plätschern Szenen und Lieder dahin. Und da wo es ernst wird, machen es sich die Autoren zu einfach. Da ist zum Beispiel die Geschichte des Mannes, der eine Niere verkauft, denn 3000 Dollar sind viel Geld für ihn. Er wird nicht lange davon haben, denn man beraubt ihn. Das ist furchtbar und tragisch und ein kalkulierter Druck auf die Betroffenheitsdrüse, adäquat vorgespielt und trotz und wegen des Kalküls vor allem ärgerlich. Oder die Geschichte vom Sohn des SS Mannes, der dem Enkel eines KZ Opfers gegenüber die Taten des Vaters verharmlost. Am Ende taucht die Frage auf, in welchem Verhältnis die beiden "Erben" zu einander stehen. Da wird es plötzlich interessant, da ist aber die Szene zu Ende. Außerdem hinterlässt die Auswahl der Lieder und die Zusammenstellung der Szenen den Eindruck von Willkür - eine innere Geschlossenheit findet sich nicht.

Natürlich ist der Heimatbegriff immer auch ein sehr persönlicher und damit subjektiver. Man kann nicht verlangen, daß die eigenen Erwartungen an das Thema auf die Bühne gebracht werden, dennoch ist es schade, daß es zum Beispiel keinen Bezug zur Welt des 21. Jahrhunderts gibt, in dem Heimat in einem globalen Dorf vielleicht einen ganz neuen, anderen Stellenwert bekommen hat. Dieser Theaterabend scheint vielmehr thematisch und ästhetisch einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, hinterher zu hängen. Die Diskrepanz zwischen den starken Schauspielern und der schwachen Textgrundlage und Dramaturgie läßt den Zuschauer etwas ratlos zurück.

Sven Lange / Januar 2003

Aufführungsdauer: ca. 110 min.

Ensemble: Josef Hofmann, Claudia Holzapfel, Adrian Ils, Bettina Muckenhaupt, Charles Ripley, Anton Schieffer
Regie: Thomas Wenzel
Dramaturgie: Gabriele Quast
Bühne: Andreas Mangano
Kostüm: Stefanie Bold
Musik: Adrian Ils


www.theaterszene-koeln.de "rose-theegarten-ensemble"
siehe auch / Theater
Porträts

Theaterkritiken

Stücke

Theater News

Termine

 

[Home] [Kunst] [Musik] [Literatur] [Theater] [Celluloid] [CompuArt] [Redaktion] [Extra]
© 2003 Kultura-Extra (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)