Die zehn besten Rocksongs der Weltgeschichte
Albrecht Hirche
Kölner Schauspiel – Halle Kalk
Die zehn besten Rocksongs der Weltgeschichte – was heißt das? Die zehn meist verkauften Songs? Die zehn meist gespielten? Die zehn in der Popkultur am nachhaltigsten wirkenden? Meine zehn Lieblingsstücke? Oder kann man das demokratisch abstimmen? Nein, kann man nicht. Musik, und Rockmusik im Besonderen läßt sich am besten nach subjektiven Maßstäben bewerten. Einigkeit ist eine Frage der Sozialisation, des Geschmacks, des Temperaments, etc. Die zehn besten kann also nur eine Liste des Ausschlusses sein.
Entsprechend gibt sich der Erfinder dieses Projekts, Albrecht Hirche, auch keine Mühe, seine Liste zu rechtfertigen. Er baut Fragmente einer Handlung, Geschichten, Zitate, Anspielungen zu einem Abend zusammen. Da ist ein Radiomoderator, den er selber spielt, sein Co-Sprecher Blaine L. Reininger (ja, der von TUXEDOMOON), der Gitarre spielt, Klavier und Geige, aber eigentlich sich selbst, eine Band, die entweder Nirvana ist oder das Zitat dieser Band und da Rockmusik Jungsmusik ist, dürfen die auftretenden Frauen putzen, zweite Stimme singen und Groupies sein. Auch das sind Zitate, Anspielungen, die der Rockmusik-erfahrene Endkonsument zu Ende denken muß, denn diese Figuren sind so zweidimensional wie die vorgeführten Plattencover.
Nicht viel klassisches Theater also, dafür skurrile Choreographien, Performance, Kurzgeschichten, alles in allem kurzweilig arrangiert. Und da ist Musik – mal live und immer kompetent von den Schauspielern vorgetragen (am Klavier meistens Mathias Flake, mit viel Gefühl begleitend), mitunter Konserve, schön laut, daß man aufstehen und headbangen will. Das nehmen die Schauspieler den Zuschauern ab – sie führen Posen vor oder machen allerlei sinnloses aber amüsantes Zeug.
Rockmusik – der Versuch, ein jugendliches Verlangen an die Welt authentisch abzubilden, gleichzeitig ein Griff nach Ruhm, Mädchen, Geld, Drogen und schnellen Autos, mitunter die Verzweiflung, daß beides nicht zusammen geht. Kurt Cobain steht auf der Bühne und erschießt sich gegen Ende des Stücks. Der Rock´n´Roll Tod. Aber auf Platz 1: Rock´n´Roll will never die.
Wer einen Teil seiner Gefühlswelt mit Rockmusik verbunden hat, wem schwere E-Gitarren, Blues-Akkorde und Musik gewordener Gefühlsüberdruck in Leib und Seele gebrannt wurden, der wird nicht vermeiden können, ergriffen zu sein und ein paar sentimentale Tränen zu vergießen. Welche zehn besten Rocksongs der Weltgeschichte hat Hirche ausgewählt? Hingehen!
Sven Lange / 3. April 2003
Spielzeit: ca. 100 Minuten ohne Pause
Mit: Mathias Flake, Albrecht Hirche, Blaine L. Reininger, Ulrike Schwab, Claudia Fenner, Markus Scheumann, Sebastian Herrmann, Dirk Lange, Andrea Voß; Inszenierung: Albrecht Hirche & Kathrin Krumbein; Bühne: Regina Lorenz; Kostüme: Kathrin Krumbein; Dramaturgie: Rainer Hofmann; Licht: Johann Delaere
www.buehnenkoeln.de
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