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Theaterkritik
FAUST

Nach Gustav Ernst

Sendino Theater, Theaterhaus Köln

Im Programmheft begrüßt der Regisseur die Zuschauer mit den Worten:

"Liebes Publikum. Wenn ich mir ansehe, was in unserer Welt so alles passiert an schrecklichen Dingen, dann kann ich doch nicht den Faust in schönen Versen klassisch inszenieren. Das geht nicht. Wir haben uns gemeinsam an die Arbeit gemacht und den Faust neu geschrieben und dramatisiert. Geholfen haben uns Textvorlagen von Gustav Ernst, allerdings stammt der allergrößte Teil der Inhalte und auch der Texte sowie die gesamte Idee von uns allen, d.h. dem Ensemble. Einen bewegenden Theaterabend wünscht Ihnen Der Regisseur und das Ensemble."

In den sechzig Minuten Spielzeit tauchen auf: Ein Engel, Mephisto, dreimal Faust, etwas Goethe, die Genußsucht, Roy Black, Kostümwechsel, Softporno, etwas über Zerstörung, Ausschnitte aus dem TV Duell Schröder/Stoiber, ein Kunstlied, Choreografien und Improvisationen, lautes Durcheinander-Sprechen, überaus perverse Folter- und Tod-Geschichten, Variationen über Szenen, eine Lesung zu dritt.

Die drei auftretenden Schauspielerinnen haben gute Momente und verstehen ihr Handwerk. Dennoch werden die sechzig Minuten Spielzeit bald lang. Zwar gehört es zu den bemerkenswertesten Eigenschaften des Menschen, auch scheinbar nicht zusammen gehörige Dinge zu einem größeren Ganzen zu verbinden. Andererseits sind Menschen so verschieden in ihren Assoziationen, daß viele unterschiedliche Interpretationen eines solchen Abends gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel, den Kopf zu schütteln und es Blödsinn zu nennen.

Sven Lange / 15. September 2002
Aufführungsdauer: ca. 60 min.

mit: Stefanie Mühle, Justine Hauer, Johanna May; Regie: Frank Zen-Dino; Raumgestaltung/Video/Projektionen: Eun Jung Choi/Andi Großheim; Maske: Isabel Quesada

Premiere: 13.9.02, Theaterhaus Köln, Stammstrasse 38-40, 50823 Köln;:
www.theaterhaus-koeln.de
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