Arthur Schnitzler: FRÄULEIN ELSE (Theater im Bauturm, Köln)
Fräulein Else ist eine junge Frau, die zwischen Tennismatches und Dinner ein sorgenfreies Leben zu führen wünscht. Ihr Vater aber hat sich in finanzielle Schwierigkeiten gebracht und nun steht die Familie vor dem Ruin. Ein Geschäftsfreund bietet Hilfe an, dafür aber will er "eine Viertelstunde dastehen vor Elses nackter Schönheit". Das Stück endet in einer Tragödie.
Die Vorankündigung spricht von einer Theaterform, "die den Zuschauer zwingt, seine eigenen Bilder zu entwickeln". Das ist auch nötig, denn die Inszenierung (Regie: Tine Seebohm) spielt auf der nackten Bühne des Kölner Theaters im Bauturm, ein Klavier und die Eisenskelette einer Bank und eines Sessels in wenig günstiger Beleuchtung, bieten wenig Blickfang. Das ist schade, sieht billig aus und stellt wenig Bezug zum Stück her.
Aber das macht nichts, soviel sei vorweg gesagt, denn Annette Frier macht als Fräulein Else alles wett, was Regie und Ausstattung/Licht uns vorenthalten. Die Schauspielerin ist dem breiten Publikum vor allem durch "Die Wochenshow" bekannt, in der sie das schwere Erbe Anke Engelkes übernommen hat. In Köln spielt sie jedoch regelmäßig vor allem im Theater am Bauturm klassische Theaterrollen. Für ihre Rolle der Hilde in "Baumeister Solneß" von Ibsen bekam sie den "Puck" als beste Nachwuchsschauspielerin Kölns.
Sie wird den durch eine solche Auszeichnung geweckten Erwartungen in jeder Beziehung gerecht. Subtil wechselt sie die Stimmungen, zeigt uns spontane Gefühlsregungen einer jungen Frau, die im Laufe des Abends verzweifelt, wechselt dann in feinen Nuancierungen Dialekte und Haltungen und führt uns so auch die anderen auftretenden Figuren vor. Besonders eindrucksvoll gestaltet sie dabei ihren Verehrer als Wiener Strizzi.
Die Regisseurin Tine Seebohm übernimmt kurze Parts und begleitet auf dem Klavier, was ein paar wirkungsvolle musikalische Momente erzeugt, ansonsten bleibt die Inszenierung hinter der schauspielerischen Leistung der Protagonistin zurück. Diese wurde am Premierenabend von einem begeisterten Publikum zurecht mit minutenlangen Ovationen bedacht.
Sven Lange / 22. März 2002
Aufführungsdauer: ca. 90 Minuten
mit: Annette Frier, Tine Seebohm; Inszenierung und Musik: Tine Seebohm; Dramaturgie: Andrea Hoßfeld
Theater im Bauturm; Aachener Straße 24-26; 50674 Köln; tel.: 0221-524242
weitere Termine: 11./18./25. März, 15./22. April
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