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HAU 1, Berlin
EINS ZWEI DREI
nach Ferenc Molnár
Der gleichnamige Film (1961) von Billy Wilder gehört zum kulturellen Erbe der TV
Generation, deshalb erspare ich dem Leser an dieser Stelle eine Inhaltsangabe
des Stücks. Aus dem selben Grunde hat auch der Zuschauer im Hebbel-Theater die
schwarz-weißen Bilder, die schnellen Schnitte und die komplexe Handlung parat.
Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Film ist (natürlich) besser. Die Schauspieler
kommen nicht gegen die filmischen Vorbilder an, die Inszenierung nicht gegen das
Tempo und die Ausstattung nicht gegen den Nachkriegs-Charme des geteilten
Berlin.
Dennoch zeigt das Theater in dieser Inszenierung, wo seine spezifischen
Stärken gegenüber dem Film liegen. Wenn es sich nämlich Zeit lässt, eine
Situation auszuloten, wenn es sich den Raum nimmt, gleichzeitig an mehreren
Orten zu spielen, wenn es zeichenhaft wird, wie es im Film kaum möglich ist.
Wundervolle Momente entstehen z.B. wenn Kurt Krömer als Alt-Nazi Schlemmer seine
choreographischen Momente mit Coca-Cola-förmigen Luftmatratzen oder den
entsprechenden Getränkekisten zelebriert. Oder wenn Judith Engel als Scarlett
Hazeltine eine ganze Bandbreite an Emotionen über einen schweigenden Moment
auskippt. Der Abend wird immer dann spannend, wenn er sich weit vom Film
entfernt und die Möglichkeiten des Theaters erforscht. Das könnte öfter der Fall
sein.
Außerdem gibt es eine Band, die der Inszenierung zusätzlichen Pep verleiht
und eine völlig überflüssige Videoprojektion. Ansonsten bleiben viele Fragen:
Warum spielt das Stück im Zuschauerraum und nicht auf der Bühne? Was wollen uns
diese Kostüme sagen? Ist Coca Cola das Instrument der Demokratisierung der Welt
und wenn ja, wollen wir dann noch eine Demokratie haben? Vor allem aber muss man
sich fragen, warum dieses Stück zu dieser Zeit an diesem Ort? Wo im Film
politische und persönliche Geschichte/n fein ineinander greifen, bleibt hier nur
die historische Rückschau. Daran ändern auch einige bedeutungsschwanger
vorgetragen Sätze nichts, die uns Nach-Mauer-Berlinern weismachen sollen, wir
lernten etwas über unsere Jetzt-Zeit. Aber das macht nichts, weil es ein
unterhaltsamer Abend ist, den man als solchen genießen kann.
s.l. - red / 21. März 2004
Dauer: ca. 1 Std. 50 Min. keine Pause
www.hebbel-am-ufer.de
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