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Theater-Feuilleton

DON QUICHOTTE

Jules Massenet/Henri Cain
Oper Köln
Das Programmheft belehrt uns, dass "Don Quichotte" von Miguel de Cervantes Saavedra nach der Bibel das am häufigsten aufgelegte und übersetzte Buch der Welt ist. Jeder kennt es, kaum einer hat es gelesen. Sprichwörtlich wurde der Kampf gegen die Windmühlen. Ansonsten bleiben Stichworte wie Sancho Pansa, Dulcinea, Rosinante, der Ritter von der traurigen Gestalt. Diese jedoch wurden von Generation zu Generation weiter getragen, bearbeitet, verfremdet, erweitert. Massenets/Cains Version beruht auf einer solchen Bearbeitung, einem seinerzeit sehr erfolgreichen Schauspiel, bedient sich aber auch wieder beim Original und erfindet noch einige eigene Beiträge. Heraus kommt ein etwas unfertig anmutendes Stück, in dem weder die Karikatur des Ritterromans zu erkennen ist, noch die Parodie des Phantasten, der sich die triste Realität in Abenteuer heroischen Ausmaßes verwandelt. Vielmehr handelt das Stück von der Kraft der Liebe, die alle Hindernisse geradezu magisch überwindet, wenn sie am Ende auch unerfüllt bleiben muss, denn die Realität, wie sie ist und wie sie erträumt wird, das sind zwei paar Schuhe, die wollen sich nicht an einem Paar Füße festmachen lassen. Das geht auf Kosten einer äußeren dramatischen Handlung, denn was es zu erringen gibt, das wird allzu leicht gewonnen. Der Konflikt spielt sich vielmehr innerhalb des Helden ab. Dieser ist hier zweigeteilt: Neben Don Quichotte lässt Regisseur Torsten Fischer den Autor Cervantes selbst auftreten. Als Dompteur seiner eigenen Fantasie wird er eingeführt, später aber lässt er sich von seinen Figuren inspirieren, am Ende verwandelt er sich selbst in den weißen Clown Don Quichotte.

Vor einem Rundhorizont mit in den Himmel aufsteigender Treppe spielt das Geschehen in leuchtenden Farben. Das Lichtdesign baut schöne Bilder, in denen klassische Gruppenchoreographien und typische Opernszenen spielen. Das sieht gut aus und tut nicht weh. Dass Torsten Fischers künstlerischer Ziehvater Günter Krämer war ist allerdings nicht zu übersehen.

Massenets Musik ist gefällig, häufig illustrierend und dem Geschmack seiner Zeit entsprechend mit so einigem spanischen Lokalkolorit angefüllt. Echte Hits hat diese Oper nicht, aber schöne, vor allem ruhige Momente. Matthias Hölle in der Titelrolle ist schlichtweg großartig, füllt gerade die innere Dimension der Handlung mit Tiefe und Wärme, Leidenschaft und Poesie. Ebenbürtig Dalia Schaechter als Dulcinée. Kraft und Gefühl vereinen sich in ihrer Stimme und geben der Figur die emotionale Komplexität, die Autor Cain und Komponist Massenet vielleicht intendierten, tatsächlich aber nicht umsetzen konnten. Oskar Hillebrandt als Sancho Pansa wird seinen Buffo-Anforderungen gerecht. Johannes Stert dirigiert mit Feingefühl und Willen zu epischer Größe, aber die Musik gibt nicht soviel her. Kein großer Abend vielleicht, aber kein verschenkter.

s.l. - red / 8. Dezember 2003

mit: Joachim Berger, Matthias Hölle, Oskar Hillebrandt, Dalia Schaechter, Samantha Rubenhold, Regina Richter, Jae-Hoon Ryu, Miljenko Turk; Musikalische Leitung: Johannes Stert; Regie: Torsten Fischer; Bühne: Herbert Schäfer; Kostüm: Ute Lindenberg; Licht: Hans Toelstede; Cor: Albert Limbach; Dramaturgie: Steffi Turre

siehe auch: www.buehnenkoeln.de






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