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Feuilleton

Schauspiel Köln, 29.09.2006

Die Geburtstagsfeier

Von Herold Pinter


Christian Beermann (McCann), Sébastien Jacobi (Stanley)
© Klaus Lefebvre, Schillerstr. 4, 58300 Wetter

Guten Morgen Sonnenschein. So klingt es dem Zuschauer aus dem Radio entgegen, das Petey um den Hals hängen hat. Dieser Tag beginnt wie jeder andere Tag in der Pension von Meg. Sie wartet auf ihren einzigen Gast, Stanley, einen abgehalfterten jungen Mann, ungepflegt, dem sie den Tee aufs Zimmer bringt und den sie wie einen Sohn umhegt. Oder ist da vielleicht noch mehr zwischen den beiden?
Aber dieser Tag verläuft anders als die anderen. Zwei weitere Gäste wollen überraschenderweise in die Pension übernachten, und diese Ankündigung versetzt Stanley in Panik. Als er den beiden Gästen, McCann und Goldberg, schließlich begegnet, kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, er würde sie von früher kennen. Die beiden Männern setzen Stanley einem Verhör aus, feiern danach aber mit ihm, Meg und Lulu, einem jungen Mädchen aus dem Ort, seinen Geburtstag. Und diese Feier eskaliert. Weder Meg noch Lulu scheinen sich darüber zu wundern, dass Stanley während der Feier abseits gefesselt auf einem Stuhl sitzt. Das Blinde-Kuh-Spiel, das Meg spielen möchte, wird zu einer offenen Drohung gegen Stanley. Er hat die Augen verbunden, steht in der Mitte und die Lärmkulisse wird immer bedrohlicher. Schließlich kommt es bei Stanley zu einer Überreaktion, die die Feier sprengt.
Am nächsten Morgen erscheint er gänzlich verändert: Da trägt auch er, der vorher ein lebender Schandfleck war – und bei dem man nie ganz verstehen konnte, weshalb er sich über Megs Schlampigkeit erregt, wenn er selbst unrasiert und ungewaschen ist –, einen gelben Anzug, die Haare ordentlich und gewaschen. Er sieht aus wie die beiden anderen Männer, trägt die gleiche Perücke – uniform und nicht individuell. Er geht mit den beiden Männern, obwohl ihm Petey seine Hilfe anbietet, und das Ehepaar ist wieder allein.
Marta Gil Polo, von der bereits eine Inszenierung von Lars Norens „Kälte“ in der Schlosserei zu sehen ist, versucht gar nicht zu erklären, was die Männer im Verhör wissen wollen oder weshalb sich Stanley verändert. Zwar wird ersichtlich, dass Stanley Angst vor den beiden Männern hat, er versucht wahlweise, sie loszuwerden oder sich zu erklären, aber was genau da vielleicht in der Vergangenheit vorgefallen ist, bleibt im Dunkeln. Gut so, das Geheimnisvolle als solches zu belassen, da nur so eine gewisse Absurdität entstehen kann: Stanley, der mit einem albernen Kranz auf dem Kopf auf seiner eigenen Geburtstagsfeier der Lächerlichkeit preisgegeben wird; der toughe Goldberg, der auf der Geburtstagsfeier die Kontrolle übernimmt, zur melodramatischen Titelmusik von „Vom Winde verweht“ eine Rede auf dieser Geburtstagsfeier hält und dann doch von Selbstzweifeln geplagt wird (die von der Regie netterweise unter einem Lichtkranz des Kronleuchters in Szene gesetzt werden, der wie ein Heiligenschein anmutet).
Durchweg überzeugend die Schauspieler, allen voran Meg, gespielt von einer sehr präsenten Susanne Barth, die in ihrer Erinnerung schwelgt und sich als Ballkönigin umschwärmen lässt. Schwer angeschlagen ist sie am Morgen nach der Party und hat Mühe, sich aufgrund des Restalkohols präzise zu artikulieren. Sébastien Jacobi ist eine Mischung aus Ärgernis und verkanntem Künstlergenie, der eine gewisse Faszination auf die Frauen ausübt. Trotz körperlicher Behinderung ist er stets auf dem Sprung, als er das erste Mal McCann trifft und versucht herauszufinden, was dieser in der abgelegenen Pension will. Jochen Langner, der als Goldberg souverän das Verhör in seiner ganzen Absurdität führt, ist stets sehr bedrohlich, kann daneben aber auch sehr charmant sein. Er hat das Sagen in der Arbeitsgemeinschaft mit McCann (Christian Beermann), der aber dennoch mehr als nur ein Befehlsempfänger ist. Ralf Harster ist ein netter, freundlicher Ehemann, dessen Aggression Goldberg und McCann gegenüber am Morgen nach der Party dadurch umso mehr auffällt. Harster spielt Petey als einen Schwächling, der sich zwar für Stanley einsetzen will, sich dann aber doch wegschicken lässt. Ergänzt wird das Ensemble von Agnes Mann als Lulu, die nicht an Stanley herankommt und am Ende als Opfer dasteht.
Der Abend ist solide Unterhaltung mit netten Ideen (etwa, dass Meg dem verkappten Pianisten Stanley einen Duracell-Hasen schenkt). Zu Beginn hapert es zwar etwas an Tempo und Timing, das wurde im Laufe des Abends allerdings besser. Lebhafter Beifall von den Zuschauern.


Karoline Bendig - red / 4. Oktober 2006
ID 2700
Die Geburtstagsfeier
Von Herold Pinter
Deutsch von Michael Walter

Regie: Marta Gil Polo
Bühne und Kostüme: Silke Herter
Besetzung: Susanne Barth (Meg), Ralf Harster (Petey), Sébastien Jacobi (Stanley), Jochen Langner (Goldberg), Christian Beermann (McCann), Agnes Mann (Lulu)

Premiere am 29.09.2006
Weitere Vorstellungen: 5., 19., 20., 21., 22. Oktober; 1., 4., 5., 19. November 2006

Weitere Infos siehe auch: http://www.buehnenkoeln.de/buehnenlite/schauspiellite/index.htm






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