Orphtheater Berlin, Uraufführung am 29. Juni 2006
DIE ENTHAUPTUNG
von Jan van Loh
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Florian Loycke spielt mit seinen selbstgebauten Puppen DIE ENTHAUPTUNG - Foto (C) Orphtheater Berlin
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"Vor gut zwei Jahren tanzten die Puppen des Mittelalters mit gewetztem Messer durch die Medien zwischen Krieg und Frieden. An der hart umkämpften Grenze von Ressourcen der Natur zum kulturellen Endverbraucher pissten Terrorjäger vor der Kamera auf Gefangene und kappten Vermummte Rückenmarkskanäle. Folter von Vollzugsgehilfen an ihresgleichen oder ehrenrührige Umgangsform des unschuldigen Hampelmannes gegenüber dem naiven Strohmann der Tat? Die Fiktion chirurgischen Kriegseingreifens kulminierte per Handstreich in der Phantasie von einem Brotmesser - all der gute Geschmack der Zivilisation ging jämmerlich vor die Hunde. Posttraumatisch belastete, radioaktiv verstrahlte Kriegsmarionetten landeten vor Gericht. Arme Schweine heulten Krokodilstränen in von Geiern bevölkerten Pressekonferenzen, unbekannte, multinationale Bürger dachten Menschenrechte und fühlten Rache. Die Barbarei war von allen Seiten gleichzeitig zurück gekehrt - oder hatte sie etwa nie geendet?"
Gute Sätze, die ein Stück Theater (gestern Abend war im "Orph" Premiere) vorflankieren, und geschrieben hat sie allem Anschein nach der junge Jan van Loh. Er unterzeichnete dann auch sowohl als Konzeptant wie Dramaturg für DIE ENTHAUPTUNG. Die verzwiebelte Geschichte kommt nicht ganz so eindeutig zum Publikum herüber; nacherzählen ließe sie sich daher schwer.
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| Der schöne Florian Loycke spielt in diesem nicht viel mehr als ambitionellen Unterfangen einen eingekerkerten GI, der - irre werdend oder schon geworden - mit hervorgezognen Puppen spielt und monologisiert; die Stimme Loyckes wird vom Band ins Auditorium getragen, manchmal sprechen "beide" fast synchron. Zutage tritt die Vorvita des Eingekerkerten: Sein Bruder wäre der Enthauptete (der aus den Fernsehbildern?). Und aus Rache & Vergeltung hätte er sich dann zu einer Art von Strafexpedition zur Wüstennähe hinverpflichtet, ausgerechnet er, der sich zudem als schwul (das auch noch!) zu erkennen gibt - in einem merkwürdigen Frauenmagazinsverhör, wo eine volontierende Versuchsperson, im Auftrag einer höheren Gewalt (Matthias Horn spielt einen Anstaltsleiter oder Chefverhörer oder wen auch immer), Näheres aus ihm herauszufinden sich beflissen sinnt; diese Versuchsperson wird von der liebreizenden und im Schauspielfach so völlig ungeübter Weise sich versteigenden Marina Quesada verkörpert.
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| Nichts, aber auch gar nichts weiter fällt mir zu dem Allen ein. Ich bin zu dumm für diesen Text, und es ist ganz allein nur meine Schuld, dass ich ihn nicht für mich verstand... so hoffte ich.
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Andre Sokolowski - red. / 30. Juni 2006 ID 2502
www.andre-sokolowski.de
DIE ENTHAUPTUNG von Jan van Loh
Konzept/Dramaturgie: Jan van Loh
Regie: Matthias Horn
Puppenbau: Florian Loycke
Spiel: Marina Quesada, Florian Loycke, Matthias Horn
Uraufführung am 29. Juni 2006 im Orphtheater Berlin
Nächste Vorstellungen am 30. Juni und am 1./2. Juli 2006
Weitere Infos siehe auch: http://www.orphtheater.de
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