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Grillo Theater Essen, 25. Januar 2007

Das goldene Vliess

Franz Grillparzer


Barbara Hirt (Medea) | Fotograf: Carola Hölting


Eine wahrhaft seltene Kombination: Ein in schöne Sprache verpacktes Drama, das einen antiken Mythos zu einer zeitlosen und vieldeutigen Betrachtung über das Menschliche macht, eine kluge Dramaturgie, die diesen Brocken sinnvoll auf das Thema "Fremdsein" eingrenzt, eine inspirierte Regie, die wunderbar ergreifende, komische, anrührende und auch erklärende Szenen erfindet und ein Schauspieler/innen-Ensemble, das diese Szenen aufs Schönste zum Leben erweckt. Es gibt sie selten diese Kombination. Roger Vontobel, seinem Dramaturgen Thomas Laue und den Schauspielern des Grillo Theaters ist eine solche, und damit ein großartiger Theaterabend gelungen.

Über die Kostüme wird das Stück im Heute verortet und ruft Assoziationen aktueller Politik wach: Krieg, Asyl, Heimatlosigkeit. Das Bühnenbild, eine Art modernisiertes Amphitheater, stellt den Bezug zur Antike her und damit zu den Wurzeln unserer Zivilisation – zur ewigen Wiederkehr der immer gleichen faulen Auswüchse derselben. Spielformen und Einsatz der Technik sind auf der Höhe der Zeit. Dass nur 92 Zuschauer Platz haben auf der Bühne des Schauspielhauses und der Saal mithin ungenutzt bleibt, das muss der Intendant vor seinen Geldgebern rechtfertigen. Künstlerisch geht es auf.


Barbara Hirt (Medea), Anja Boche (Kreusa) | Fotograf: Carola Hölting

Muss man noch mehr dazu sagen? Ja. Man muss. Man muss über Kleinigkeiten hinwegsehen und stattdessen die Schauspieler einzeln loben: Sebastian König, der seiner kleinen Rolle Absyrtus ein klares Profil abgewinnt. Jutta Wachowiak, die herrschende Dienerin Gora, mit schöner Diktion und steter Präsenz. Barbara Hirt, neu im Ensemble, gibt einen guten Einstand in der schwierigen Rolle Medea. Christoph Finger als Milo, kratzt am Grotesken, füllt die Bühne. Anja Boche, die Kreusa als Luxusblondchen spielt, ohne die Figur durch Überzeichnung oder Plattheit zu denunzieren, immer überzeugend und authentisch, bisweilen fantastisch. Und Günter Franzmeier, beide Könige spielend, den einen zwischen Aggression, Hinterlist und nackter Furcht, den anderen, von ähnlichen Motiven geleitet, aber durch Wohlstand und Macht geschützt, gönnerhaft und selbstbewusst bis zur Arroganz – von einer Feinheit der Nuancen, die beiden Figuren Würde verleiht. Auf gleicher Höhe Guntram Brattia als Jason, der die Tugenden und Abgründe der Männlichkeit facettenreich darzustellen weiß. Und wenn die beiden eine gemeinsame Szene haben, dann weht der Odem großer Theaterkunst. Zum Niederknien!


Barbara Hirt (Medea), Guntram Brattia (Jason) | Fotograf: Carola Hölting

Ein Blick ins Programmheft vor Besuch der Vorstellung ist sinnvoll. Der Besuch der Vorstellung wird unbedingt empfohlen!


Sven Lange, 25. Januar 2007
ID 00000002947
Das goldene Vliess
von Franz Grillparzer


Premiere am 20. Januar 2007 im Grillo Theater, Schauspiel Essen

Inszenierung: Roger Vontobel
Bühne: Claudia Rohner
Kostüme: Dagmar Fabisch
Video: Dirk Hermeyer

Weitere Infos siehe auch: http://www.theater-essen.de





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