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Theaterkritik

VON COWBOYS UND ELFEN

Von Tim Staffel
Theaterdiscounter Berlin



Motiv: Silke Buchholz, Foto: Patrick Pfeiffer,

Tim Staffel ist in Berlin vor allem durch seinen Roman TERRORDROME und dessen theatralische Umsetzung durch Frank Castorf an der Volksbühne bekannt. Er ist aber auch Mitglied der Produktionscrew FAST4WARD, deren erklärtes Ziel darin besteht, Musik und Text mit einander zu verbinden, "Rhythmisierung von Sprache und Pointierung von Klängen durch das gesprochene Wort" zu erarbeiten. Für das Stadttheater Konstanz hat Staffel nun diesen Text geschrieben, den Alexandra Holtsch, selber neben der Regie-Tätigkeit auch D-Jane, auf die Bühne gebracht hat.

Da ist Elli, neben ihr ein Gewehr, eine Wohnung, die sie auf radikale Weise verlassen will. Dann Elisabeth, die Einkaufstaschen und einen Fernseher mitbringt, Dinge, die Elli hinter sich gelassen hat. Die Vermutung liegt nahe, dass Elli und Elisabeth eine Person sind. Elisabeth scheint den drohenden Selbstmord ihres Alter Egos aufzuhalten, doch die Geschichten, die sich die beiden erzählen, sind voll von Suiziden, von Begegnungen mit Toten und von Gewalt.

Silke Buchholz ist Elli, im ersten Teil des Abends leider zu oft auf einem motzigen Grundton, der der Figur nicht ansteht und die Schauspielerin schwach macht, dann aber immer wieder, besonders in Verbindung mit den Toneinspielungen, zu einer geheimnisvollen Figur aufsteigend. Ihr Gegenüber Elisabeth (Karina Schieck) fängt lebensbejahend an, muss sich dann aber auch in den Einheitston der lakonischen Verzweiflung fügen. Beide sind ernsthaft bemüht, der Figur ein Leben einzuhauchen, das der Text nicht mitliefert. Dort sammeln sich, von wenigen poetischen Sätzen abgesehen, schaurige Geschichten in gerader, klarer Sprache, die aber keinen Hinweis auf die Figur geben, der sie widerfahren. Wer Elli/Elisabeth ist, bleibt ein Geheimnis. Das führt in einigen Momenten zu einer dunklen, intensiven Atmosphäre, gerade, wenn Projektionen, Toneinspielungen und Schauspiel ineinander greifen. Allzu oft aber bleibt gerade die Kombination der Theatermittel nur kryptisch. Auch die Arrangements auf der Bühne verweigern jede Art der Handlungs- oder Situationsdramaturgie. Dadurch und ohne die Möglichkeit der Identifikation mit einer biographisch begründeten Figur bleibt der Abend trotz seiner gelungenen Momente am Ende ein wenig enttäuschend.

Sven Lange / 27. Juli 2003

Aufführungsdauer: ca. 70 min.

Mit:: Silke Buchholz, Karina Schieck; Regie: Alexandra Holtsch; Ausstattung: Gregor Wickert; Musik: Vicky Schmatolla; Video: Sonja Bender

www.theaterdiscounter.de

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