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Theaterkritik

nach Jean Cocteau: THE HUMAN VOICE oder: DIE GELIEBTE STIMME (Gruppe Capitain, ARTheater Köln)

"Die geliebte Stimme" ist ein moderner Klassiker, wahrscheinlich das beliebteste Ein-Frau-Stück und in jeder Stadt an irgendeinem Theater, insbesondere in der freien Szene, zu sehen. Eine Frau am Telefon, am anderen Ende ihr Geliebter, der sich von ihr trennt. Zuletzt wird sie an einer Mischung aus Verzweiflung, Wein und Schlaftabletten zu Grunde gehen. Aber ist das ein heutiges Schicksal? Sind Frauen nicht heute emanzipierter, cooler, lassen sich Frauen von heute noch so behandeln? Bernd F. Capitain stellt alternativ eine junge Frau von heute vor, die ihren Ex als "Pisser", "Wichser" etc. beschimpft und bei allem eigenen Leid ihn nicht so einfach davon kommen läßt.

Der Witz und das Risiko dieser Inszenierung besteht darin, sowohl die "20er Jahre" als auch die "90er Jahre" - Version gleichzeitig zu spielen. Die Ebenen getrennt durch einen Vorhang, sieht der Zuschauer das eine Szenario und hört von nebenan das andere. Zur Hälfte des Stücks wechselt das Publikum den Ort.
Carol Schmitt spielt die Frau am Anfang des Jahrhunderts in einem Ambiente aus Fauteuil und Grammophon, Isabel Hemming ist das Technogirl am Ende des Jahrtausends, ihre Wohnung ist Plastik. (Bühne: Joelle Abgrall).
Beide haben ihre schauspielerisch überzeugenden Momente, so, wenn Carole Schmitt ihren Liebsten wie sich selbst belügt, oder wenn Isabel Hemming einen Orgasmus simuliert.

Insgesamt aber scheitert dieser mutige Versuch, da der Zuschauer sich nie auf die Seelennöte einer Figur zu konzentrieren vermag. Zu sehr lenkt das Ungesehene, Vermutete hinter dem Vorhang ab. Die Aufeinander-Bezogenheit der Ebenen geht verloren und wirkt kontraproduktiv. Keine der beiden Figuren wird lebendig und fordert Anteilnahme oder emotionale Verbundenheit, zu sehr steht das Konzept im Vordergrund. Vielleicht hätten die beiden Teile, nacheinander gespielt, die gewünschte Wirkung.

Sven Lange

Regie: Bernd F. Capitain
Bühne: Joelle Abgrall
Kostüme: Sandra Jones
mit: Carol Schmitt, Isabel Hemming

Premiere:31.1.01, weitere Termine: 1.-3., 7.-10. Feb.
ARTheater; Ehrenfeldgürtel 127, 50825 Köln,
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