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Besprechung


Schauspiel Köln - 9. Juni 2007

Theodor Storm: DER SCHIMMELREITER


„Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm, eine düstere Novelle um den Deichgrafen Hauke Haien und sein Bestreben, einen neuen Deich zu bauen, dem seine Frau und sein Kind zum Opfer fallen – Armin Petras hat dieses Prosawerk in Köln auf die Bühne geholt und bleibt zunächst sehr im gesprochenen Erzählmodus. Die Schauspieler stehen in einem Raum auf der Bühne, der von gespannter Folie umrahmt wird, und erzählen – über Ports verstärkt – die Geschichte von Haukes Jugend. Auf die Folie werden immer mal wieder Bilder eines Mannes auf einem Schimmel projiziert, der zu einem Sprung ansetzt. Dadurch, dass sich die Schauspieler auf die nuancierte Artikulation des Textes konzentrieren, fühlt man sich fast wie in einem Hörspiel.

Nachdem die Folie gefallen ist, wird es szenischer und verspielter. Da werden dann einfach mal Campingstühle und Säcke aus dem Foyer geholt und als Damm an der Bühnenrampe aufgebaut. Oder es regnet minutenlang und die Schauspieler verwandeln die Bühne in eine Rutschbahn.

Petras versteht es, mit den Erwartung zu spielen, überraschende Momente zu schaffen. Das wirkt jedoch nie konzeptig, sondern steht immer im Dienst der Geschichte, erzählt mehr über die Figuren. Mehrmals gibt es beispielsweise Ansätze, dass Christin König (Elke) und Peter Moltzen (Hauke) sich ausziehen, aber es bleibt immer nur beim Ansatz. Wenn sich Hauke und Elke das erste Mal bewusst werden, dass sie etwas füreinander empfinden, bleibt Moltzen im Ärmel seines Polohemdes hängen. Oder König zieht sich ihr Jäckchen kurz über die Schulter. Mehr braucht es an dieser Stelle nicht, um die Zuneigung der beiden zu zeigen. Wunderschön auch die Szene, in der vom Kindbettfieber von Haukes Frau die Rede ist, Moltzen und König sich in der Mitte der Bühne gegenüberstehen und er ihr mit einem Schwämmchen die Arme abwischt. Es wird langsam dunkler, und als das Licht wieder angeht, ist Elke blutverschmiert.

Petras’ Version des Schimmelreiters ist kein Selbstläufer. Der Abend hat seine Längen. Manches ist gelungen, anders nicht. Geschickt und dosiert arbeitet Petras beispielsweise mit Projektionen, auf diese Weise holt er das Meer auf die Bühne. Auch die Idee, die Schauspieler nach einer Weile das Stück in historischen Kostümen weiterspielen zu lassen, ist gut. Der Einsatz von Musik dagegen wirkt oftmals nur platt und ärgerlich. Aber der Abend gibt zu denken und wirkt lange nach. Und vor allen Dingen wird hervorragend gespielt. Grandios ist Christin König. Es macht Spaß, ihr zuzusehen, obwohl sie nicht herumalbert oder lautstark auf sich aufmerksam macht. Es ist der Gesamteindruck, der stimmt. Sie übertreibt nie und steht trotzdem den Männern souverän gegenüber. Sie spielt die verliebte Elke des Anfangs ebenso überzeugend wie die Frau an Haukes Seite, die ihm aber dennoch nicht den dringend benötigten Erben schenken kann. Nie ist sie ein nettes Mädchen, sondern stets Frau, die um ihre Pflicht, ihren Platz und ihre Stärke weiß. Das Wunderbare ist, dass sie all dies nicht verbalisieren muss. Sie spielt es einfach. Und das ist nicht allzu oft zu sehen.

Auch das Wagnis, ein mongoloides Mädchen auf die Bühne zu bringen, das Haukes und Elkes Kind verkörpert, geht auf, gerade, weil Petras nicht nur auf Betroffenheit setzt. Vielmehr wird es gelegentlich herrlich komisch, etwa wenn das Mädchen ein weißes Regencape trägt, spitze Ohren verpasst bekommen. Ach ja, Nacktheit gibt es letztendlich doch noch. Aber eine Seemöwe hat außer ein paar Federn nun wirklich nichts an, oder?

Die Premiere war am 03.06.2007, weitere Termine am 18. und am 19.06.2007.


Der Schimmelreiter
Von Theodor Storm

Inszenierung: Armin Petras
Bühne: Mascha Deneke
Kostüme: Patricia Talacko

Mit: Christin König, Dirk Lange, Jochen Langner, Andreas Leupold, Peter Moltzen


Karoline Bendig - red. / 18. Juni 2007
ID 00000003303

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