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Theater Osnabrück / Stücke 07

alter ford escort dunkelblau (UA)

von Dirk Laucke

alter ford escort dunkelblau UA: Jan Schreiber, Daniel Ratthei, Steffen Gangloff © Klaus Fröhlich/www.theater.osnabrueck.de



Paul, der Boxer und Schorse arbeiten in einem Getränkemarkt. Paul ist der Sohn des Besitzers, der Boxer und Schorse sind über eine Zeitarbeitsfirma angestellt. Aber schon von Anfang an scheinen die beiden keine rechte Lust zu haben und lassen Paul die Arbeit machen. Die Gelegenheit zum Ausbrechen ergibt sich aus einer Laune heraus: Boxer bringt Schorse auf die Idee, seinem Sohn mal was zu bieten und nach Legoland zu fahren. Doch da Schorse nach seinem letzten Ausflug mit seinem Sohn – einem Konzertbesuch bei einer AC/DC-Coverband, der bis in die frühen Morgenstunden andauerte – allen Kredit bei seiner Ex Karin verspielt hat, muss er den Jungen auf der Straße aufgreifen und heimlich mitnehmen. Aber die Fahrt nach Legoland endet in einem Desaster. Zunächst will Paul nicht mitfahren, weil er um seinen Ausbildungsplatz fürchtet, dann rastet Boxer aus und bedroht Schorse mit einer abgebrochenen Bierflasche. Und schließlich vergessen alle beinahe, dass Schorses Junge im Kofferraum James Bond spielt. Reichlich reumütig bringen sie ihn zu seiner Mutter zurück.


alter ford escort dunkelblau UA: Jan Schreiber, Katharina Quast, Steffen Gangloff, Daniel Ratthei © Klaus Fröhlich/www.theater.osnabrueck.de


Henning Bock und Simone Wildt, Regisseur und Ausstatterin der Uraufführungsinszenierung von Dirk Lauckes „alter ford escort dunkelblau“ am Theater Osnabrück, haben sich für ein einfaches Bühnenbild entschieden. Links sind Paletten gestapelt, rechts Bierkästen. Das Unterwegssein der Figuren wird mit Videoprojektionen gezeigt: Auf einer Projektionsfläche sieht man Schweinwerfer, fahrende Autos, Landstraße. Dazu wird dann schon mal überlaut ein Querschnitt durch alle AC/DC-Nummern, die der Zuschauer so kennt, eingespielt. Kurzzeitig wippen auf der Zuschauertribüne die Füße im Takt mit. Die Projektionen wären gar nicht unbedingt notwendig, wird doch durch ganz kleine Handgriffe klar, wann eine Autofahrt stattfindet: Dann setzt sich einfach jeder auf eine Bierkiste, in Vordersitze und Rückband aufgeteilt, und die Schauspieler spielen, dass sie unterwegs sind.



alter ford escort dunkelblau UA: Jan Schreiber, Daniel Ratthei, Steffen Gangloff © Klaus Fröhlich/www.theater.osnabrueck.de


Gerne hätte man mehr über die Figuren in Dirk Lauckes „alter ford escort dunkelblau“ erfahren, ein Stück, für das der junge Dramatiker 2006 den Kleist-Förderpreis für junge Dramatik von der Dramaturgischen Gesellschaft erhalten hat. Aber in Bocks Inszenierung wird nicht wirklich klar, mit wem wir es zu tun haben, in welchem Verhältnis die Figuren zueinander stehen. Dabei haben die Figuren durchaus spannende Geschichten: Pauls Vater ist der Meinung, der Junge brauche kein Abitur, um einen Getränkehandel zu führen. Außerdem hat er ihn schon einmal entlassen, was Schorse und Boxer dann doch kurz über die Konsequenzen ihres Ausflugs für Paul nachdenken lässt. Schorse führt ein verkorkstes Leben, da sein Sohn immer denkt, er sei arbeitslos – obwohl er bei der Zeitarbeit ist –, und Karin seine Liebe zu AC/DC nicht teil. Aber für ihn gibt es ein Happy End, weil Liebe einfach nicht zu erklären ist.
Die Figur des Boxers geht ganz unter. Man schnappt als Zuschauer zwar noch auf, dass seine Mutter sich vom Balkon gestürzt hat. Aber welche Dimension die Fahrt nach Legoland für ihn hat, wird nicht klar. Die Inszenierung konzentriert sich zu sehr auf den polternden Schorse. Boxer möchte gerne nach Legoland fahren und tickt aus, als klar wird, dass die drei ihr Ziel nicht erreichen. Er hat monatelang Getränkemarken gesammelt und seine Miete nicht gezahlt, um auszubrechen. Für ihn gibt es kein Zuhause mehr, in seine Wohnung kann er nicht zurück und bei Karin findet Schorse wieder seinen Platz, da bleibt für Boxer nichts.
Was treibt diese Figuren an? Was sind ihre Wünsche? Wo gehören sie hin? Das wird in Bocks Inszenierung bestenfalls angedeutet. Wichtiger ist es ihm, das Cruisen zu zeigen, das Abrocken und Biertrinken als gemeinsame Freizeitaktivität. Stimmung überwiegt vor Situationen. Momente, in denen man gerne mehr hören und genauer hinhören würde, werden verspielt.



Karoline Bendig - red/ 23. Mai 2007
ID 00000003237

KLEIST FÖRDERPREIS 2006
alter ford escort dunkelblau (UA)
von Dirk Lauke

Regie: Henning Bock
Bühne und Kostüme: Simone Wildt
Paul: Daniel Ratthei
Schorse: Jan Schreiber
Boxer: Steffen Gangloff
Karin: Katharina Quast

Uraufführung am 27. Januar 2007 im Theater Osnabrück, emma-theater;

Wiederaufnahme am 18. September 2007


Weitere Infos siehe auch: http://theater.osnabrueck.de/1286.htm





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