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Feuilleton Theater
Siehe auch: Besonderheiten des Musicals in Südafrika


Kölner Schauspielhaus

African Footprint

Flame of Freedom World Tour

Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

Das Gewitter tobt direkt über dem Kölner Schauspielhaus. Der rote Teppich, der für die prominenten Zuschauer ausgerollt ist, wird völlig durchweicht und ein Teil der Dekoration kippt unter der Wucht der niederprasselnden Regenmassen um, während die Kamera-Teams ihre Ausrüstung vor den Fluten retten. Das Abenteuer beginnt für die Gäste der Deutschlandpremiere von „African Footprint“ am 17. Juli schon vor Beginn der Show. Die Erwartungshaltung ist riesig. Die Presse in Afrika, Asien, Australien und Großbritannien überschlug sich schon mit Superlativen, dieses Feuerwerk aus Musik, Tanz, Farben und überschäumender Energie der Performer zu beschreiben. Das Musical ist eine Sensation und kündigt sich selbst gar als „neue Show-Dimension“ an.


"Stick Dance", Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

Als die Aufführung dann endlich beginnt, geht es auf der Bühne fröhlich mit einem Gewitter weiter, diesmal Gottlob ohne Wasser. Der Tanz und Song „Children of Africa“ erzählt die Schöpfungsgeschichte, den afrikanischen Mythos vom Ursprung des Dschungels, der Tiere und des Menschen, als sie den Kontinent erstmals besiedeln. Sie hinterlassen ihre Fußabdrücke als Zeichen ihrer Verbundenheit mit Mutter Erde. Mit dem Song „We Have Been Here Before“ erinnern sie an das spirituelle Erbe, das sie mit ihrer Heimat verbindet.


Inyoni Yaphezuluu, Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

In einem weiteren Tableau zeigt sich der Mann als Jäger und Krieger und verteidigt mit Schild und Speer seinen Lebensraum. Der Kampf mit einem Widersacher um eine Frau mündet in einen ungewöhnlichen Pas de troi, der als klassisches Ballett zu afrikanischen Rhythmen getanzt wird. Der „Stick Dance“ ist eine Zeremonie für das Feuer mit trommelnden Stöcken, den hell klingenden sticks, und stampfenden Füssen. Gefolgt wird der Tanz von „Kealebogo“, dem Gesang des Feuers, ein Dankgebet für die Natur, die uns mit allem versorgt. Das „Bushmen Interlude“ beginnt mit dem Instrument Mbira, einem Daumenklavier, das aus einem einsaitig bespannten Kürbisbogen besteht. Das traditionelle Daumenklavier wird übertönt von einem Saxophon, das von einem modern gekleideten Musiker gespielt wird und die Moderne einläutet.


„Kealebogo“, Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004


Plötzlich befinden wir uns im Sophiatown der 40er Jahre.

Sophiatown ist ein berühmter Stadtteil Johannesburgs, in dem ein kosmopolitisches und künstlerisch fruchtbares Zusammenleben von Schwarzen, Weißen und Farbigen irgendwie unbeabsichtigt entstand, die einem amerikanischen Lebensstil folgten. Viele politische Gruppierungen nahmen hier ihren Anfang, auch die Aktivitäten der Freiheits-Ikone Nelson Mandela und die des Schriftstellers Don Mattera, dessen Texte in „African Footprint“ zu hören sind. 1948 wurde im Rahmen der Rassentrennung auch diese multikulturelle Hochburg auseinandergesprengt.

„Jive“, Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

Dort hatte sich die afrikanische Variante des Jazz entwickelt, die dem Jazz der amerikanischen Schwarzen sehr ähnlich ist, aber ihre Eigenarten hat. Mit der Ankunft einer traditionell gekleideten Afrikanerin wird dieses „moderne“ Leben jäh gestört. Sie erinnert ihren Ehemann daran, dass er ein Heim mit Frau und Kindern hat. Die Ehefrau stellt sich einem musikalischen Duell mit der Geliebten ihres Mannes. Obwohl sie immer wieder ihre Unterschiede betonen, erkennen sie zum Schluss, dass sie eins sind: „Du und ich, wir sind dieselben“. Dieser Song ist eine Anspielung auf die spirituelle Weisheit, dass wir alle dem selben Ursprung entstammen, die ja auch im Christentum verbreitet ist.

„Prison Pas de deux“, Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

Kaum dürfte der Konflikt zwischen Schwarz und Weiß akrobatischer und ästhetischer inszeniert worden sein als in dem Tableau „Prison Pas de deux“. In einer Gefängnisszene prallen ein weißer und ein schwarzer Mann aufeinander. Sie schaffen es zum Schluss, ihre Unterschiede zu überwinden und gewaltlos auseinander zu gehen.

„Tapdance“, Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

In „Duelling Footprints“ gibt es atemberaubende Steppnummern. „Normale“ Stepptänzer treten gegen „Gumboot“ Tänzer aus. Die Tänzer in Gummistiefeln sind eine Anspielung auf die vielen Minenarbeiter Südafrikas, die wegen des Wassers in den Minen Gummistiefel tragen. Das hält sie aber nicht davon ab, mit ihren Füssen Percussion zu betreiben. So entstand der mit Sicherheit sehr anstrengende Gumboot-Tanz. Allmählich hat sich die vom Musical erzählte Geschichte in die Gegenwart bewegt. Mit „Pantsula Sport“ geht es geradewegs in die Zukunft. Mit Füßen und Fußbällen wird da getanzt und Percussion gemacht. Klar sind alle aus dem Häuschen, denn 2010 wird in Südafrika die Fußballweltmeisterschaft ausgetragen.

Mit dem gleichen Song wie am Anfang endet auch das Musical. Die „Kinder“ der Regenbogennation feiern sich selbst:

„Wir sehen in die Morgendämmerung und es ist eine afrikanische Dämmerung.
Und wir fühlen wie wir fühlen, weil wir in Afrika geboren sind.
Und wir sind stolz, und wir sind zu Hause,
Und wir sind stolz, Afrika unsere Heimat zu nennen.“


Fotograf Herbert Schulze / (C) Wolfgang Bocksch Concerts 2004

Die Ensemblemitglieder von „African Footprint“ sind unverhohlene Friedensbotschafter, die sich selbstsicher als die Zukunft ansehen. Die Schwarzen unter ihnen haben stellvertretend für ihre Volksstämme zurück zu ihren Wurzeln gefunden und zu ihrer Menschenwürde, die über Generationen mit Füssen getreten wurde. Deshalb können sie nun auch den weißen Südafrikanern die Hand entgegenstrecken. „African Footprint“ ist das erste südafrikanische Musical, in dem auch Weiße integraler Bestandteil sind. Viele der schwarzen Mitglieder stammen aus den trostlosen Townships und haben durch ihr Talent und ihre Begeisterungsfähigkeit den Weg in eine bessere Zukunft gefunden. Und diese Zukunft wollen sie am liebsten mit der ganzen Welt teilen.

h.f. - red / 20. Juli 2004


Termine:
Köln Schauspielhaus 17.07. – 08.08.2004
Mannheim Nationaltheater 11.08. – 29.08.2004
Hamburg Kampnagel 01.09. – 06.09.2004
Berlin Schillertheater ab 28.09.2004
Frankfurt Jahrhunderthalle 09.12. – 23.12.2004

siehe auch:
http://www.africanfootprint.de
Siehe auch: Besonderheiten des Musicals in Südafrika







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