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Wulffs pikanter Auftritt im öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsprogramm

Die Schluss-Sequenz des Montagabend-Films „Mein alter Freund Fritz“ im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) hat das Publikum mit einem überraschenden Stargast konfrontiert: Da trat Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) doch zur besten Sendezeit in Erscheinung und spielte: sich selbst. Promi-Regisseur Dieter Wedel inszenierte in dem ironisch angehauchten Streifen über das Gesundheitswesen ein „Happy Ending“, in dem eine von Sparmaßnahmen gezeichnete Klinik plötzlich dank der wiedergefundenen Menschenfreundlichkeit einer ärztlichen Koryphäe auf den Erfolgskurs zurückkehrt. Das Krankenhaus floriert – und Wulff tritt auf, wie er den Erweiterungsbau der Klinik feierlich einweiht. Er strahlt, er überbringt frohe Botschaften, er begrüßt den Hauptcharakter des Films, stürmt ans Podium und wird dann – wohl gemerkt aus dem Off – noch philosophisch, indem er Lichtenberg zitiert: „Was nützt der schönste Sonnenaufgang, wenn man gar nicht aufgestanden ist.“

Ein wenig Licht hätte sich das Büro für Stilsicherheit auch vom ZDF auf die Frage hin erwünscht, warum ein Ministerpräsident in einem gesellschaftskritischen Unterhaltungsfilm Image-Werbung in eigener Sache machen darf. Die zuständige Presse-Beauftragte sei nicht erreichbar, hieß es am Tag nach der Sendung aus Mainz. In der niedersächsischen Staatskanzlei sieht man wie erwartet keinen Konflikt zwischen Amt und Showgeschäft. Vor längerer Zeit habe es Gespräche zwischen Regisseur Dieter Wedel und Wulff gegeben, der Ministerpräsident habe gern eingewilligt, den etwa dreistündigen Dreh mitzumachen. Das Motiv für den Auftritt beschreibt die Staatskanzlei damit, dass es dazu beitragen könne, den Film- und Fernsehstandort Niedersachsen zu fördern.

Dass es ein kategorisches Problem sein könnte, wenn ein Ministerpräsident im ZDF das eigene Image aufpoliert, sehen weder die Betroffenen noch die kommentierenden Medien – oder möchten sich öffentlich nicht damit befassen. Jedenfalls dürfte die ohnehin schwache Dramaturgie des Streifens mit Wulffs Finale auch viele der Zuschauer verprellt haben, die drangeblieben waren. Für den Ministerpräsident und den Medienstandort Niedersachsen dürfte es derweil eine Enttäuschung darstellen, dass das einstige Zugpferd Wedel beim Publikum nicht mehr ankommt. Nur 4,95 Millionen Zuschauer sahen den 2,4 Millionen Euro teuren Film – Marktanteil 14,6 Prozent. Nicht gerade regierungsfähig. Vielleicht wäre Wulff doch besser bei den Ermittlungen des Bullen von Tölz eingesprungen, der Sat.1 immerhin 6,31 Millionen Zuschauer bescherte.

Tim Farin, Büro für Stilsicherheit 27. Februar 2007
ID 00000003027
Tim Farin
Büro für Stilsicherheit
Lichtstraße 38
50825 Köln
0221 933 4207
0178 274 1502
Fax 0221 933 4211
tim.farin@stilsicherheit.com
www.stilsicherheit.com


"Mein alter Freund Fritz"
lief am 26. Februar 2007 im ZDF




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