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Toleranz hat viele Farben. Jugend gegen Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit!

Ein Projekt von der Kreativagentur A Vitamin und Dinamix gemeinsam mit der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule aus Berlin, Schöneberg





copyright Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule Berlin, 2007

Studie über Intensivtäter, die dem Innenauschusss des Abgeordnetenhauses von Berlin präsentiert wurde

  • Intensivtäter sind in der Regel junge Männer, 5 % Frauen
  • Intensivtäter sind unter 21
  • 70 % haben einen Migrationshintergrund
  • materielle Armut gehört zu den prägenden Erfahrungen
  • viele jugendliche Täter haben ein massives Drogenproblem
  • weniger als 10% besuchen eine Realschule oder ein Gymnasium
  • über die Hälfte schwänzen die Schule regelmäßig

Quelle: Tobias Miller, 2007, Berliner Zeitung

Bericht des Sonderbeauftragten der UN-Menschenrechtskommission Vernor Munoz, März 2007

  • Ärmere Schüler und Migrantenkinder werden vonm deutschen Bildungssystem benachteiligt
  • Bildungsstand ist in Deutschland sehr stark von der sozialen Herkunft abhängig


Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule

  • vereint verschiedene Schultypen, Berufsfachschule, berufsqualifizierende Lehrgänge, Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik
  • knapp die Hälfte der Jugendlichen an der Schule beziehen Leistungen aus der Bundesausbildungsföderung, dem Asylbewerberleistungsgesetz oder Wohngeld
  • die 500 Schüler kommmen aus unterschiedlichsten Familiensituationen und aus verschiedensten Nationen.



Am Freitag, den 27. April 2007 stellten achtzehn Schüler der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule aus Schöneberg-Nord ihr Projekt für ein respektvolles Zusammenleben in Berlin vor dem U-Bahnhof Wittenbergplatz/Ausgang Tauentzienstraße vor.


Micha und Ali

Micha und Ali haben sich eigentlich nie verstanden. Ali ist Moslem und Micha Jude. „Ich komme in die Hölle, wenn ich nett zu Juden bin“, so wurde es Ali in die Wiege gelegt.
Heute sind Ali und Micha Freunde. Sie haben dazu gelernt.

Micha und Ali sind Schüler der Klasse SO63 der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule in Schöneberg. Die meisten SchülerInnen der Klasse machen den Realschulabschluss nach. 11 unterschiedliche Nationalitäten prallen in der SO63 tagtäglich aufeinander.
Auf die Frage von Kultura-Extra, ob es nie Konflikte gab, antworteten einige SchülerInnen:
„Nein, nie. Wir verstehen uns alle sehr gut. Es läuft alles prima. Schlägereien gibt es bei uns auf der ganzen Schule nicht. Wir haben eine gute Klassengemeinschaft und das ist schon immer so. Konflikte gab’s noch nie.“
Das Paradies auf Erden? Nicht ganz.

Micha wurde von Ali diskriminiert, weil er Jude ist, das kann man im Projektexposé nachlesen. Dass es weitere Vorfälle gab, so zum Beispiel die Diskriminierung einer Schülerin, erfuhren wir von der Redaktion nur durch eine indiskrete Hintertür. Einzelheiten wurden uns allerdings nicht bekannt „Der Vorfall soll nicht an die große Glocke gehängt werden.“

Das Agreement in der Klasse lautet: Gewalt und Intoleranz möglichst wenig thematisieren, gegenseitigen Respekt fördern.
Respekt, ein Wort, das gerne dem „Prekariat“ als Modewort angedichtet wird, in bürgerlichen Kreisen allerdings mit dem Gestank der Gosse behaftet, wenig Anklang findet. Hier in der Schöneberger Oberschule trifft Zehlendorf auf Marzahn, reich auf arm, Ost auf West, kurdisch auf türkisch und so weiter. Respekt tut allen gut, auch den Kids mit bürgerlicher Herkunft: Es gibt vieles, was man an der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule lernen kann. Wie das Schweigen.

Die 17 bis 19 jährigen reden nicht gerne über das, was an Konflikten wirklich gelaufen ist. Man kann es ihnen nicht verdenken. 11 Nationalitäten bei 18 SchülerInnen ist ein beachtliches Verhältnis. Schweigen ist da, wie die Notbremse ziehen um Schlimmeres zu verhindern. Allerdings muss der Zug auch irgendwann weiterfahren…

Ein Startsignal dafür ist die Postkartenaktion der Klasse SO63, die am 27. April auf dem Wittenbergplatz seinen Anfang nahm.
„Toleranz hat viele Farben.“, so das Motto der Aktion. Was als etwas seichter, typisch links liberaler, zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung passender Slogan daher kommt, ist den SchülerInnen der Klasse eine Herzensangelegenheit. Erfahrung hat hier ausnahmsweise Mal schlau gemacht.

Das Motto wurde zumindest zu einer kleinen Kampfansage gegen Gewalt und Rassismus, als er von zwei Schülern mit selbst verfasstem Text gerappt wurde. Denn direkt auf dem Vorplatz des U-Bahnhofes Wittenbergplatz, im Hintergrund das KaDeWe, hatten zwei Typen mit wahrlich minimalistischem Equipment, ein paar ehrlichen Worten und leider viel zu wenig Publikum das, was alle immer haben wollen: Authentizität.

Schönebergs SPD-Stadträtin und Leiterin der Abteilung Familie, Jugend, Sport und Quartiersmanagement, Angelika Schöttler und Özcan Mutlu, Mitglied des Abgeordnetenhauses und bildungspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen traten als prominente Unterstützer in Erscheinung und würdigten das Engagement von den SchülerInnen der Marie-Elisabeth-Lüders-Oberschule in Schöneberg-Nord für ein tolerantes Miteinander.
Danach wurden die Postkarten von den SchülerInnen am U-Bahneingang verteilt.

Die Idee des Mediums Postkarte stammt von der Kreativagentur A Vitamin, die das Projekt begleitete. Das Motiv dachten sich die SchülerInnen selbst aus: Fünf SchülerInnen unterschiedlicher Nationalitäten, professionell fotografiert von Stefan Maria Rother und seinem Team, mit T-Shirts in fünf verschiedenen Farben. Dass die T-Shirts von Adidas gesponsert wurden, bleibt keinem verborgen, ist das Label doch sehr deutlich auf der Karte zu erkennen – „United Colours of Adidas“ versus „Toleranz hat viele Farben“. Dass die Postkarte von Adidas als Werbefläche genutzt wird, ist den SchülerInnen ziemlich egal. Ihre Botschaft kommt rüber. „Wir wollen anderen Leuten vermitteln, dass sie durch dieses Projekt etwas lernen und andere Nationalitäten tolerieren.“

Die Gratispostkarten, Auflage 5000 Stück, werden weiterhin verteilt und können in einigen Cafes und Kneipen im Berliner Zentrum mitgenommen werden.


Sicherlich haben der die Klasse begleitende Psychologe, sowie das Engagement der LehrerInnen einen großen Anteil an der positiven Entwicklung des Projekts. Allerdings, ohne dass Engagement der Klasse und die zunehmende Dialogbereitschaft, wäre es niemals zu diesem Ergebnis gekommen. Deren wirkliches Interesse an einem toleranten Miteinander, hat das Projekt letztendlich zum Erfolg gebracht. Erfolg nicht in dem Sinne einer regen Beteiligung der Berliner Presse - die hat sich so gut wie nicht blicken lassen - und sicherlich auch nicht Erfolg im Sinne einer Ausschöpfung kreativen, künstlerischen Potentials, sondern Erfolg im Sinne der positiven Veränderung Einzelner hin zu einem solidarischen Miteinander im Klassenverband.
Interessenten für Nachfolgeprojekte haben sich schon gefunden.

Silke Parth - red / 27. April 2007
ID 00000003171


Siehe auch:
http://www.tiergarten-sued.de/fileadmin/content-media/media/Aktuelles/aktuell-PDF/04-18_postkartenaktion_Projektexpose.pdf





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