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Gründung der Akademie der Künste der Welt (Sitz: Dezernat für Kunst und Kultur der Stadt Köln)

Gründungsfeier am 27. Oktober 2012


Galit Eilat erhält ein Geschenk zur Eröffnung der Akademie - Foto (C) Helga Fitzner



Die Akademie der Künste besteht aus maximal 40 Künstlern und Künstlerinnen aus allen fünf Kontinenten und den unterschiedlichsten Kunstrichtungen. Sie will auf regionaler Ebene in Köln agieren, aber global ausgerichtet sein. „Act locally, think globally, heißt die Devise”, erklärte der aus dem Iran stammende Filmemacher Ali Samadi Ahadi. Dieser Ansatz ist schon bekannt, aber die Akademie versteht sich als bundesweit neuartige Einrichtung. Sie will auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren, indem sie auf die internationalen, besonders aber die außereuropäischen Künste reagiert. Ihre „vier Säulen“ werden in eigenen Aktivitäten der Mitglieder bestehen, einem Fellowship-Programm, mit dem ausländische Künstler in Köln arbeiten können, der Unterstützung externer Projekte sowie der Jungen Akademie zur Nachwuchsförderung. Zur Generalsekretärin wurde die Dramaturgin und Kuratorin Sigrid Gareis ernannt. Am 27. Oktober 2012 stellte der Iraner Ali Samadi Ahadi die israelische Kuratorin Galit Eilat als Präsidentin der Akademie statt. Hier zeigte sich ungeplant schon die friedensstiftende Wirkung der Akademie angesichts der politischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Iran.

„Wir werden immer wieder gefragt, was wir denn machen wollen“, sagte Galit Eilat, „uns wäre es lieber, wenn nach einer Weile gefragt würde, was wir erreicht haben.“ Die Akademie will offen sein. Mit ihr ist erst einmal ein Raum geschaffen worden, in dem Dinge möglich werden.

Mit dem Eröffnungsprogramm Cutting Edge – Ein Tag in Köln zum Thema Beschneidung hat die Akademie schon einmal einen guten Eindruck geliefert, was in Zukunft möglich sein könnte. Im Sommer 2012 hat das Kölner Landgericht die Beschneidung von Jungen als Körperverletzung verurteilt. Das verursachte einen Aufschrei von Muslimen und von Juden im Lande, die sich dadurch in ihrer Religionsausübung gehindert sahen, wodurch es zu ungeahnten Gemeinsamkeiten kam. Bei einer Lesung trugen drei Autoren aus ihren Veröffentlichungen zum Thema Beschneidung vor. Der aus Libyen stammende Schriftsteller Kamal Ben Hameda las aus seinem Roman Sieben Frauen aus Tripolis eine Stelle vor, in der er seine eigene Beschneidung als Junge verarbeitet, die er als traumatisch erlebt hat, da ihm niemals zuvor Schlimmes widerfahren war. Ihm war aber als Kind schon bekannt, dass zwei seiner Onkel an den Folgen ihrer Beschneidung gestorben waren. - Der aus Basra stammende Iraker Najem Wali begann schon 1989 einen Tabubruch, in dem die Beschneidung Folter nannte und auch die Beschneidung von Frauen thematisierte. Alle Referenten erkannten aber an, dass die Beschneidung für die Muslime und Juden auch identitätsstiftend und gemeinschaftsfördernd sein kann. Der 1944 geborene Robert Schindel hat als Säugling den Holocaust überlebt. Er war nicht, wie das im Judentum üblich ist, am achten Tag beschnitten worden. Er hat sich allerdings aus medizinischen Gründen im Alter von 21 Jahren freiwillig beschneiden lassen und das nie bereut. Auf die Frage, ob die Juden trotz der frühen Beschneidung trotzdem traumatisiert sein könnten, meinte er augenzwinkernd, dass man bei europäischen Juden die Traumatisierungen doch gar nicht auseinander halten könnte. Bezüglich des Kölner Gerichtsurteils meinte Schindel, dass man das den Religionen selbst überlassen müsse. Schließlich habe man ja irgendwann auch einmal Menschenopfer abgeschafft.




Najem Wali und Robert Schindel bei der Lesung - Foto © Helga Fitzner


Während man für das Literaturprogramm Eintrittskarten brauchte, war die anschließende Podiumsdiskussion frei zugänglich. Sie nannte sich „Cutting Gendered Edge“ und bezog die Frage des Geschlechts der/des Beschnittenen mit ein. Bei Mädchen wird kein Häutchen, sondern regelrecht Fleisch weggeschnitten und sie werden anschließend zugenäht. Die Sterberate nach der Beschneidung ist hoch, die anderen haben den Rest ihres Lebens Schmerzen und stehen Höllenqualen beim Geschlechtsverkehr und bei Geburten aus. Hier wird sich über ihren Körper auch ihrer Seele bemächtigt.

Nach der offiziellen Eröffnung der Akademie am Abend folgte ein Konzert. Es wurden u. a. mittelalterliche Musiken gespielt, die an die Beschneidung Christi erinnerten, ein Fest, dass am 1. Januar gefeiert wurde. Danach gab es moderne Töne. Der zeitgenössische Komponist Steve Reich hat das Thema in seiner multimedialen Oper The Cave aufgegriffen. In zwei weiteren Runden wurde das Thema bis spät in die Nacht unter verschiedensten Gesichtspunkten beleuchtet.

Mit diesem Auftakt hat die Akademie schon zwei Sachen bewiesen: ihr hohes künstlerisches Niveau und den Mut, sich auch brisanten Themen in ausgewogener und umfassender Form zu stellen. Hier ist auf jeden Fall etwas sehr Spannendes im Entstehen.


Helga Fitzner - 30. Oktober 2012
ID 6300

Weitere Infos siehe auch: http://www.academycologne.org


Post an Helga Fitzner



 

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