URBANISME - Brussels meets Cologne
Ein Festival mit: Stiller - De Tonic - Henk
im Kölner Underground am 17. März 2002
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Die Bands Stiller, De Tonic und Henk kennen sich seit dem Brüsseler Festival 'The Mafia Stole My Guitar' ( 3. Juni 2001 ). Die dort geschlossenen Freundschaften werden nun über die Grenzen hinweg gepflegt. Das Festival im Kölner Underground bot dem deutschen Publikum erstmals Gelegenheit, die Ursachen gegenseitiger Sympathien und des gemeinsamen Nenners solch unterschiedlicher Stile kennen zu lernen.
Vorab gesagt: Gerade die Unterschiedlichkeit der musikalischen Auffassungen machte den Besuch des Festivals lohnend und so ist der Wunsch nach einer Fortsetzung des interessanten Konzepts folgerrichtig und wichtig.
Die Gemeinsamkeiten sind offensichtlich. Zum einen ist da das Stadium der jeweiligen Bandgeschichte: Jede der Musikgruppen hat zwar schon eine selbstproduzierte CD veröffentlicht und fleißig Konzerte in kleinen Clubs absolviert, doch irgendwie stecken alle noch in den Startlöchern.
Da aller Anfang schwer ist, liegt es nahe, die Kontakte zu nutzen und mit einem eigenen und besonderen Festival auf sich aufmerksam zu machen.
Zum anderen gibt es eine geistige Verwandtschaft, die weniger mit kosmopolitischer Attitüde oder zeitgemäßem Globalismus zu tun hat, sondern mit einem zeitlosen Phänomen, welches auch zum Titel des Festivals wurde: URBANISME. Gute Popmusik leugnet keineswegs Traditionen, die über verschiedene Spielarten des Rock auch dessen Wurzeln aufspüren lässt: den Blues. Und der Großstadt-Blues ist seit je her beliebtes Material für ernstzunehmende Künstlerpersönlichkeiten.
Genau da setzen die beiden belgischen Gruppen und die deutsche Band an und gewinnen aus dem urbanen Stoff spannungsgeladene Bögen aus Frust, Trotz und Spaß.
Stiller - die erste Gruppe des Abends - ist eine Band um die Songschreiber Jan Scheers und Frank Geeraert, die aus nachtdunklen Pianopattern, abwechslungsreichen Gitarren-Harmonien und direkten poetischen Texten eine nachvollziehbare Pop-Gegenwelt zum ernüchternden Alltagstrott und den täglichen individuellen Enttäuschungen weben. Auch wenn sich die Poesie der Texte naturgemäß einem deutschsprachigen Publikum nur unzureichend vermittelt, so schafft die Vielfalt der Melodien, Gitarre, Bass, Piano und Percussion die richtige Atmosphäre, um doch an ihren persönlichen Geschichten teilhaben zu können. Gefällige, sensible Popmusik voller Weltschmerz - so, als ob da mit der Faust in der Tasche gegen die bösen Mächte angesungen und manchmal auch gewitzelt wird.
Ein ganz anderes Kaliber repräsentieren De Tonic.
"Means Pop", sagen Peter Bultijnck und Philip Franchitti von ihren Songs.
Das große Plus echter Popmusik, nämlich die Lebendigkeit, bekommt durch die Experimentierlust der Musiker schwindelerregende Dimensionen. Gitarrenkaskaden, Samples und Loops kochen und brodeln in einer surrealen Stadtsuppe. Hier wird mit der Faust auf den Tisch gehauen. Mit scharfen, kaputten Sound werden Täter und Opfer einer kalten Welt entlarvt. Allerdings werden die Rollen mittels der Power der Musik und der grotesken Texte vertauscht. De Tonic als Zorro der armen Stadtmenschen. Herzerfrischender Pop auf der Höhe - und allen Tiefen - der Zeit.
Die Köln-Brüsseler Combo Henk präsentiert eine Mischung aus Rock, Pop und eigenwilligen deutschen Texten. Die Band wirkt im klassischen Line-up von Gitarre, Schlagzeug, Bass und Gesang spielfreudig, abgeklärt und besticht mit einer bemerkenswerten Homogenität.
Die tanzbare Empfindsamkeit von Stimme und Poet Volkmar Mühleis steht in verblüffendem Einklang mit den intelligent gebauten Stücken des Gitarristen Jochen Pfender, so dass an dieser Stelle erstmalig (und für die zukünftige Berichterstattung selbstredend) das Attribut "kongenial" angebracht ist.
Die souveräne Präsentation der Songs mag darin begründet sein, dass überwiegend das Format der bereits eingespielten Stücke gewählt wird. Aber gerade die raren Momente, in denen die Band mit dem Kapital einer grundsoliden Rhythmussektion spielerisch Freiräume auslotet, verraten eine musikalische Potenz, die noch viele spannende Bühneneskapaden verspricht.
v. -red. / 24. März 2002
Weitere Infos: Jochen Pfender jochen@henk-music.com
tel +49 (0)228-976 69 88, mobil +49 (0)171-415 84 23
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