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Kultur im Radio?
Bericht über die Premiere der B27-Live-Radioshow

Am 11.05.2000 hat die Halle B27 zu einer Live-Radioshow geladen.
Die Einladung war auf 20:00 gesetzt, um die Gästen im Sinnes eines Warm-ups auf die Veranstaltung einzustimmen. Nach fast 1 ˝ Stunden des Wartens fing es dann auch endlich an - das Warm-Up war so für die ca. 100 Besucher leider zu einem Cool-Down geworden.

Markus Beschorner bei B27-live (Photo: b.w. - red)

Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit einer Begrüßung durch den Moderators Markus Beschorner, der das musikalische Motto des Abends vorstellte: "Gut gelaunt 2000". Damit sich dieses tiefgründige Motto dann auch bei den Aufnahmen niederschlagen konnte, wurde das Publikum zunächst auf gute Laune trainiert: Herr Beschorner gab sich alle Mühe, mit Hilfe seiner 3 vorbereiteten Tafeln das Publikum zu den gewünschten Reaktionen zu animieren: "Applaus", "Jubel" und "Oh echt lecker" - dies war dann auch der Teil der so von den Veranstaltern selbst bezeichneten "Mitmachradioshow".

Die "Courtjesters Crew" (Photo: b.w. - red)

Danach ging´s endlich los: Die musikalische Einlage der 9-köpfigen Ska und Reggae Band "Courtjesters Crew" stellte einen sehr gelungen Auftakt dar. Das darauf mit zwei Bandmitgliedern durchgeführte Interview ist - dank Beschorner - keiner Erwähnung wert, ebenso wenig die als Interview bezeichnete Albernheit mit dem Musiker und DJ Thomas Maus.

Thomas Maus (links) und Markus Beschorner (rechts) (Photo: b.w. - red)


Dazwischen wurde das Publikum noch genötigt, mit dem Spruch "Oh wie lecker" einen musikalisch vorgetragenen Werbeblock für das hauseigene Essen zu untermalen. Beschorner richtete sich mit den abstrusen Worten an sein Publikum:

Der musikalische Werbelblock (Photo: b.w. - red)
"Gleich wird´s ernst für euch, gleich müssen wir etwas Geld verdienen". Und bedankte sich nach der überflüssigen Aktion beim Publikum: "Das Geld habt ihr euch wirklich verdient." [Eigentlich war das Publikum ja vorgewarnt. Stand nicht in der Ankündigung was von "gastronomischem Erlebniskonzept"?]

Zu einem Höhepunkt kam der Abend dann mit Daniel Iberra und Band.
Daniel Iberra und Band (Photo: b.w. - red)


Nachdem Daniel Iberra drei hervorragende Stücke vorgetragen hatte, musste er sich der Tortur eines Interviews aussetzen.
Man fragt sich schon, ob einem Moderator zu einem vielgereisten und talentierten Musiker keine bessere Frage einfällt als: "Wie gut ist dein schwäbisch". Dem nicht genug. In peinlichster Art zwang Beschorner den Armen auch noch, schwäbischen Unsinn in das sogenannte Hochdeutsch zu übersetzen, während er selbst vollkommen übertrieben auf der kleinen Podiumsbühne rumhüpfte. Der Gepeinigte kommentierte das mit einem standhaften Lächeln: "Ich glaube nicht, dass das gerade passiert."

Kurz gesagt: eine überflüssigere Veranstaltung ist kaum denkbar. Eine gehaltlose Anhäufung von Slapstickeinlagen (welcher Radiohörer hiervon was hat, ist fraglich) und Selbstbeweihräucherung. Die angebliche Live-Radioshow (schon das Wort hätte einem zu denken geben sollen) entpuppte sich als kommerzielle und obendrein schlechte Werbeveranstaltung, bei der das Motto Live-Radio lediglich als Alibi diente und dienen wird: es sind wohl noch weitere neun Runden geplant!
Die Show selbst wurde lediglich aufgezeichnet und wird später vom Moderator höchst persönlich zusammengeschnitten - was da an Tauglichem übrigbleibt, geht wohl eher gegen Null. Ob es damit möglich sein wird, einen Sender zu finden (diesbezüglich sind die Verhandlung wohl auch noch nicht zu einem Ende gekommen) bleibt offen. Bei dem momentanen Konzept der Veranstaltung ist nur zu hoffen, dass kein Sender versuchen wird, den eigentlich guten Ruf des Radios zu ruinieren, indem er eine solche Sendung ausstrahlt.
Eine Mischung aus Gottschalk und Harald Schmidt auf Kindergartenniveau lässt man sich ja im Fernsehen mittlerweile kommentarlos gefallen.
Das Radio sollte diesen Trend nicht mitmachen.

s.p. - red

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