kunst
musik
literatur
theater
film
compu Art
extra
 
redaktion
CD-Besprechungen:

Uncle Ho: "Everything must be distroyed"

Sony/Columbia
VÖ 7. April 2003



"HOWEVER HOPELESS IT MAY SEEM, WE HAVE NO OTHER CHOICE: WE MUST GO BACK TO THE BEGINNING; IT MUST ALL BE DONE OVER; EVERYTHING THAT IS MUST BE DESTROYED."
William Carlos Williams

Eine Woche bevor Uncle Ho ihre neue Platte veröffentlichen, verabschiedet sich Gitarrist Jens "Doc" Schmidt. Die Ho's sind auf der Suche nach einem neuen Gitarristen, die Tour 2003 soll mit diesem vom Stapel gehen. Jens Schmidt begründete seinen Rücktritt unter anderem mit den Kündigungen vieler Mitarbeiter des Labels Sony, mit denen die Band an den neuen Tracks gearbeitet hat.

Genug der News. Hinein damit, PLAY. Das geht ab wie ein rotes Motorrad. Schon beim zweiten Auflegen, sitzt der Refrain der ersten paar Lieder in den Ohrgängen und will gesungen werden. Ja, was singe ich denn da, "all must be distroyed" - das passt super zum Frust über die Destruktivität der Welt. Ironischerweise.
Wegen dem Krieg im Irak haben Rundfunkanstalten die Vorab-Single "All Must Be Distroyed" aus ihrem Programm genommen. Aber so haben es Uncle Ho nicht gemeint, es geht nicht um Zerstörung im Sinne von Krieg. Um nicht missverstanden zu werden, kam dieser Song als Vorab-Single nicht in die Läden.

Der Tonträger wurde im eigenem Studio der Ho's produziert. Der Sound ist authentisch. Oder - sympathisch. Denn obwohl viele andere ähnliche Musik machen, wie Suede oder Smashing Pumpkins, ist Ho's Musik ehrlich, eben Uncle Ho. Vielleicht ist dies ihre beste Platte - wenn sich alles relativiert - weil sich die Hörgänge an den zweiten, an den dritten, und alle weiteren Songs erinnern. Außer an ein paar.
Nach den schnelleren Punk-Rhythmen leitet plötzlich eine Bläser-Sektion den Swing ein. Verblüffend die Kurve: Von Punk-Crossover zum Swing."Talk To The Dead" ist ein Party-Hit verdächtiges, nach Brit-Pop, nach Top Loader klingendes Lied. Mit dem Zynismus der Fröhlichkeit singt Julian Hanebeck: "I want to die in an ordinary way".

"Open Weave": auch ein Favorit. Ein schönes und schnelles Lied.
"Single (hey, Hey, Hey)" klingt in Stimmung, um "let's paint the sky today". Meine Lautsprecher werden diese Songs öfter wiedergeben.
"Substance" eine Ballade mit einem Chor, hört sich an wie ein Knabenchor, der trotz aller Schönheit etwas Grausiges hat, irgendwie verzerrt. Nein, hier wird nicht eingeschlafen, in "There Are Too Many Songs Already" fauchen die Gitarren und rütteln dich wach.

Intro "Greven" hört sich an wie eine frühmorgendlich Session mit Töpfen, könnte auch zu einem bluesigem Song, nach dem Motto "wir-sind-so-müde-nach-der-Party", ausgebaut werden.
Ebenso sympathisch wie "Talk To The Dead" ist "Coming Round", nach der Brücke legen die Ho's richtig los und swingen ansteckend.
Danach "Ready For Love", ein an The The's schweren Blues erinnerndem Song, der wie eine Lokomotive immer näher kommt, und lauter wird. Um dann quietschend durch eine von Gitarre begleitete Mundharmonika zu bremsen.

Schluss?
Zitat vom Cover:
"Am 31.12.2003 spielen wir unser letztes Konzert und segnen als Band das Zeitliche. Wir laden tolle Gäste ein, Freunde, Bewunderer und Verächter und verabschieden uns mit unserer spektakulärsten Show: 'Let's Roll All Our Strength into one Ball!' Uncle Ho must be destroyed."
(Julian Hanebeck_uncle ho)

Das Konzert nicht verpassen.


s.t. / red. 4. April 2003


Inhalt

Porträts / Label-Spezials

Konzertkritiken

Tonträger

Online-Musik

Spezial

Termine

[Home] [Kunst] [Musik] [Literatur] [Theater] [Celluloid] [CompuArt] [Redaktion] [Extra]
2003 Kultura-Extra (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)
Kultura-Extra (alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar.)