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CD-Besprechung

New Order: Singles

VÖ: 07. Oktober 2005
2CD | London Records 90 Ltd.


Offenbar scheint es in der Tat zuzutreffen, dass der Status eines Künstlers und dessen Bedeutung für die zeitgenössische Musik an der puren Anzahl der Kompilationen abzulesen ist, welche in mehr oder weniger minimaler Abwandlung das vermeintlich Beste aufzuführen pflegen. Im Falle des gleichermaßen so kraftvoll wie verletzlich aus der Asche Joy Divisions hervorgegangenen Phönix New Order, dessen mittlerweile sechste Zusammenstellung das hier zumindest meiner Zählung nach ist, dürfte der nachhaltig wirkende Stellenwert auch ohne das Vorliegen einer einzigen solchen nicht zu bestreiten sein. Wahrscheinlich keine andere Band zuvor nämlich trug die Insignien des Alternativen so beiläufig wie konsequent in die Clubszene und damit auch die Radiotauglichkeit, wobei ich persönlich nie begreifen wollte, weshalb meist tanztaugliche Bittersüße mit bisweilen sperriger Tiefe nicht im Wesentlichen unabhängig produziert werden können soll. Und wer sich zum Beispiel an den Sommer des Jahres 1987 zu erinnern vermag, dem wird die zugegebenermaßen recht reibungslose Existenz des Stückes „True Faith“ neben den Hits von Künstlern wie Whitney Houston, Madonna oder Rick Astley noch durchaus geläufig sein und insbesondere im Rückblick als äußerst stimmig erscheinen.

Zwischenzeitlich allerdings zieht die Veröffentlichung eines beinahe jeden Albums fast zwangsläufig diejenige einer weiteren „Best Of“-Sammlung nach sich, was für den unbedarften Erstkontakt und somit zaghaften Einstieg absolut sinnstiftend ist - die langjährigen, bisweilen zu Recht kritischen Anhänger dagegen wird ein solches Gebaren eher befremden. Aber in einer zunehmend von deutschen Rap-Rotzlöffeln, finnischen Feierabend-Dunkelmännern und amerikanischen Soul-Schlampen beherrschten Populärkultur wird selbst der gesetzte Brite mit steigendem Alter vorsichtiger, dem eigenen Neumaterial angesichts der Wankelmütigkeit des Marktes möglicherweise nicht mehr so ganz vertrauend - und demzufolge sieht es auch der an sich penible Rezensent gerne mal nach, wenn im Hinblick auf die individuelle Rentensicherung eine jetzt die Sättigungsgrenze übersteigende Resteverwertung vor aller Glaubwürdigkeit steht.

Daniel Dohmel - red. / 4. November 2005
ID 00000002102


Siehe auch:
http://www.neworderonline.com




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