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CD-Besprechung

BERGITTA VICTOR - Sesel

Label: Jazzhaus Records | VÖ 31.07.2009
45 Min.


Was sich liest wie ein neuzeitliches Märchen – geboren auf den Seychellen, aufgewachsen in Tansania und der Schweiz, jetzt Vollzeit-Musikerin in Berlin – ist im Falle von Bergitta Victor, der Neuentdeckung von Jazzhaus Records, Realität und faktischer Lebenslauf.

Wenn man dort ansetzt und weiterdenkt und vielleicht realisiert, dass als logische Folge ein Haufen von verschiedensten kulturellen und musikalischen Einflüssen Eingang in ihre Songs finden müssten, dann wird bald klar: Das kann einerseits zu sehr spannenden Cross-Over-Experimenten führen, andererseits aber auch den Nachteil der Beliebigkeit haben, im Sinne von "zu viele Stile verderben den Sound". Hier trifft jedenfalls beides ein wenig zu.

Das Phänomen Victor lässt sich zunächst einmal schwer in Kategorien stecken. Zu leicht schwebt ihre Stimme über den be-swingten Melodien, als dass sie ein neues Jazz-Schwergewicht genannt werden könnte; zu ernst wiederum sind ihre Selbstbekenntnisse, als dass man auch nur auf die Idee verfiele, "Easy Listening" zu assoziieren. So schonungslos offen hat lange niemand mehr über Risse in Beziehungen und widersprüchliche Gefühle gesungen.

Den fluffigen Lovesongs, mal eher unausgereift poppig, immer aber mit der nötigen Portion Soul interpretiert, fehlt es an der Flatterhaftigkeit der Jugend und der Abgeklärtheit des Alters. Doch gerade diese vermeintlichen Mankos sind es, die dem Gesamtwerk "Sesel" gerade zuträglich sind. Ihr Gesang auf Deutsch - laut Bergitta eine schöne, spannende Sprache - lässt an etablierte Soulgrößen wie Joy Denalane oder Cassandra Steen denken; und doch fällt der Vergleich schwer. Victors entkrampfte und melodiöse Visionen von Liebe, Mut und Konflikten klingen viel puristischer, naiver auch, als die Songs derer, die es sich in den Charts bereits bequem eingerichtet haben.

Bei so viel eigenem Charme fällt es schwer, nicht über die eindeutigen Mängel in der Produktion hinwegzusehen. Stellenweise könnten die Songs nämlich durchaus etwas mehr Druck vertragen, und auch die Qualität der Texte bleibt leider weit hinter den Erwartungen zurück, da die Zeilen bisweilen wirken wie auf Teufel komm raus zusammengereimt. Schön ist aber nach wie vor ihre klare Sprache und die Leichtigkeit, die fast sämtliche Songs besitzen; und diese Leichtigkeit ist vielleicht nur insofern unerträglich, als wir solch eine sonnige Gelassenheit gar nicht mehr gewohnt sind, da die hiesige krisengebeutelte Musikindustrie einiges an Entspanntheit vermissen lässt.

Und so sind es auch insbesondere die Lieder in Bergittas Muttersprache Seselwa und das karibisch inspirierte "If I Should Go", bei denen sie "at her best" ist. Und das, weil sie im Funk und Groove spürbar aufblüht, und weil sie zwar in verschiedenen Stilen beheimatet ist - am meisten jedoch im Calypso und Zouk ihrer kleinen Insel im Indischen Ozean.

Jaleh Ojan - red. / 7. November 2009
ID 4449


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