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Autorinnenlesung

Donna Leon

las aus

Ewige

Jugend



Donna Leon im Theater Osnabrück | Foto (C) Sina-Christin Wilk


Eine ältere Dame von zierlicher Gestalt, abgesehen von dem roten Samtblazer eher unauffällig, betritt die Bühne des Osnabrücker Theaters am Domhof und steuert zielstrebig auf einen der beiden gepolsterten Armlehner zu, die einen kleinen runden Tisch einrahmen. Gerade einige Stunden ist es her, dass diese Frau auf dem berühmten blauen Sofa in Frankfurt saß. Nun macht sie es sich in dem eleganten Sessel gemütlich, um ihr neues Werk vor einem seit mehreren Wochen ausverkauften Theater mit über 640 Besuchern im Zuschauerraum vorzustellen. Die große Nachfrage bezüglich des Kartenkontingents kam nicht unerwartet, denn der Osnabrücker Dombuchhandlung ist ein großer Coup gelandet: Der Einladung zur Veranstaltungsreihe „Literaturspot“ ist niemand Geringeres gefolgt, als die Grande Dame der internationalen Kriminalliteratur Donna Leon, die nun mit großem Staunen die Anzahl der Interessierten in den Reihen vor der Bühne betrachtet.

Die schmale Dame wirkt trotz ihres Alters von 74 Jahren erstaunlich agil und gewinnt die Sympathie der Zuhörer auf eine überaus charmante Art sofort für sich. Mit fester, warmer Stimme liest sie einige englische Passagen aus ihrem neuesten Roman Ewige Jugend. Es handelt sich um den inzwischen 25. Krimi der Reihe um den kultivierten Commissario Brunetti (erschienen bei Diogenes), dessen Plots allesamt in der Wahl-Heimat der gebürtigen Amerikanerin spielen: Venedig. Nach 100 Seiten habe Leon die erste Fassung des Manuskripts verworfen, um den Inhalt dahingehend umzugestalten, dass die Leser Mitgefühl mit dem Opfer empfinden. Entgegen dem ersten Entwurf stirbt die heute 30jährige nicht, sondern verbleibt in Folge eines Sturzes in den Canale Grande vor 15 Jahren mit einer geistigen Behinderung. Ihre Großmutter, eine Contessa, die man stellvertretend durch die Person Leon auf der Bühne sitzen sieht, glaubt nicht an einen Unfall und beaufragt den Commissario mit Nachforschungen.

Für die Lesung deutscher Textauszüge und einiger Übersetzungen der Ausführungen Leons zeichnet die Schauspielerin Annett Renneberg verantwortlich, die in den Brunetti-Verfilmungen die Rolle der Signorina Elettra Zorzi gibt. Im Dialog der beiden Frauen ergibt sich ein wechselseitiger Perspektivwechsel, da beide ihren ganz eigenen Teil dazu beitragen, den Inhalten des Kriminalromans Leben einzuhauchen.

Das Duo sorgt für kurzweilige Unterhaltung und gibt die eine oder andere Anekdote rund um die Arbeit bezüglich der Brunetti-Reihe Preis. So berichtet Leon von ihrem Alltag in der Lagunenstadt und den Eigenheiten vor Ort, die ihr immer wieder aufs Neue Ideen für neue Handlungsstränge liefern. Der 26. Band sei bereits fertig geschrieben, während sich der 27. in Vorbereitung befindet. Alsbald kommt sie in Plauderlaune, unterbricht sich selbst (während sie liest) immer mal wieder und ist kaum zu bremsen, wenn es darum geht, den gebannten Zuhörern spontane Assoziationen zu dem Gelesenen mitzuteilen.

Euphorisch berichtet sie davon, dass die Wortspiele, die sie für ihre Originaltitel im Englischen für gewöhnlich wählt, die deutschen Lektoren und Übersetzer in den Wahnsinn treiben und mit jedem Buch aufs Neue vor größte Herausforderungen stellen, da sich diese schlichtweg nicht ins Deutsche übertragen lassen. Zudem lässt sie das Publikum an einer Entdeckung teilhaben, die sie gerade in Frankfurt gemacht habe, als sie in einem Interview von der Textkonzeption ihrer Romane erzählte: Als Opernliebhaberin sei ihr klargeworden, dass sie – ganz unterbewusst – ihre Texte stets dem Aufbau von Opern unterwirft. Die Erkenntnis, ihre Krimis durch den Einsatz von Arie und Recitativo zu gestalten, ruft sichtbare Begeisterung in der Bestseller-Autorin hervor, mit der sie die Besucher der Lesung anzustecken vermag. Weiterhin betont sie, den Blick in die Weite der oberen Ränge schweifen lassend, dass sie die Tatsache, dass ihr erster Roman in der Oper La Fenice spielt und sie ihren Jubiläumsband in einem Theater vorstellen darf, daher als gelungen ansieht.
Sina-Christin Wilk - 24. Oktober 2016
ID 9634
Infos zum Buch: http://www.diogenes.ch/leser/titel/donna-leon/ewige-jugend-9783257069693.html


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