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Rezension

David Safier - „Happy Family“

Roman
Rowohlt 2011
ISBN 978 3 463 406183


In seinen ersten drei Romanen Mieses Karma, Jesus liebt mich und Plötzlich Shakespeare lässt David Safier eine einzelne Protagonistin auf urkomische Weise mit den Widrigkeiten der Re-Inkarnation kämpfen und auf historische Persönlichkeiten treffen. Nun nimmt Safier gleich eine ganze Familie aufs Korn, die sich unter erschwerten Bedingungen gegen Vampire, Monster, Mumien und schwäbische Pauschaltouristen behaupten muss.

Eigentlich sind die Wünschmanns eine glückliche Familie, aber es geht ihnen wie den meisten: Sie wissen es nicht. Vater Frank arbeitet für eine Bank und ist so überarbeitet, dass er sich wie ein Zombie fühlt und keine Energie mehr für irgendetwas hat. Tochter Fee ist dagegen im emotionalen Aufruhr der Pubertät und gerade sitzen geblieben, weil sie sich im Biologieunterricht nicht für Hohltiere begeistern kann. Sohn Max ist zwar superintelligent, aber ein Eigenbrötler, der sich eingeigelt hat. Und Mutter Emma ist in der Krise, weil sie ihren kleinen Kinderbuchladen wohl bald schließen muss. Dann müsste sie auch ihre Angestellte Cheyenne entlassen, die „älteste Hippie-Frau des Universums“, die dann auf der Straße landen würde. Da Cheyenne im weitesten Sinne zur Familie gehört, will Emma das vermeiden. Als ob die Lebenssituation nicht schon verfahren genug wäre, schneit eines Tages ihre ehemalige Kollegin Lena in den Buchladen, mit der Emma früher als Lektorin gearbeitet hat. Damals war Emma die erfolgreichere von beiden und sollte einen Traumjob in London bekommen. Emma entschied sich dafür, mit ihrem Mann Frank eine Familie zu gründen. Nun ist es Lena, die Emmas Karriere gemacht hat und ihr unabhängiges Leben führt. Das lässt Lena auch heraushängen. Allerdings hat sie nie eine Familie gegründet und deshalb lässt sich Emma auch auf eine Einladung ein, bei der sie zu einem Kostümfest mit der berühmten Stephenie Meyer eingeladen wird, die mit ihren Vampirbüchern Weltruhm erlangte. Emma besorgt Kostüme für alle. Sie selbst geht als Vampir, ihr Mann Frank als Frankensteins Monster, Tochter Fee als Mumie und Sohn Max als Werwolf. – Stolz will sie ihre Familie vorzeigen, doch der Abend entwickelt sich zur Blamage und Katastrophe für die Wünschmanns. Und als ob es nicht noch schlimmer hätte kommen können, werden sie auf dem Nachhauseweg von einer Hexe verzaubert. Sie sind nun genau die Wesen, die sie vorher im Kostüm verkörpert haben, nur in echt. Es beginnt eine Jagd nach der Hexe um den halben Erdball, damit diese den Fluch wieder rückgängig macht. Um alle Prüfungen zu bestehen, müssen die Wünschmanns zusammenhalten und wieder zu dem werden, was sie sind: eine Familie.

David Safier (Berlin, Berlin), der als Fernsehautor schon den Grimme-Preis und den Emmy gewonnen hat, schrieb mit Happy Family wieder einen Roman, der Drehbuchreife hätte. Graf Dracula gibt sich persönlich die Ehre und will Emma verführen, in Ägypten gerät Fee an die Mumie des ägyptischen Baumeisters Imhotep und selbst Godzilla taucht auf und will die Familie Wünschmann im Wiener Prater vom Riesenrad holen.

Alle Protagonisten erzählen in der ersten Person und so werden die Differenzen in der Sichtweise klar, wenn alle subjektiv über das gleiche Ereignis berichten. Dem Leser wird früher klar als der Familie Wünschmann, wie viel in dieser Familie eigentlich noch intakt ist und was man alles voneinander erfahren könnte, wenn man miteinander redete. Das Abenteuer führt dazu, dass alle über sich hinaus wachsen und sich gegenseitig dadurch neu schätzen lernen. Da Papa Frank als Frankensteins Monster nur über einen begrenzten Wortschatz verfügt, lässt Safier ihn zeichnen statt sprechen. Diese herrlichen Zeichnungen und der Umgang der Familie mit Franks Sprachlosigkeit sind ein zusätzliches Plus an dem liebevoll illustrierten Buch. Gegen Ende der Geschichte kommt Emma zu dem Schluss: “Auch wenn die Lage hoffnungslos war und wir uns nicht retten konnten (...), war es doch nicht zu spät, meine Familie richtig zu sehen. Nicht in dem Licht des Alltags, des Frustes und der Überforderung. Sondern im Licht ihrer Möglichkeiten...“

Helga Fitzner - 5. Februar 2012
ID 5738


Siehe auch:
http://www.rowohlt.de


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