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Rezension

Hartmut Löffel: Schmerzpunkte oder Die Kunst, zu überleben

Roman. 310 Seiten, 19,80 Euro
Wiesenburg Verlag, Schweinfurt, 2011
ISBN 978-3-942063-88-3


Hartmut Löffel ist in Stuttgart geboren, in Tübingen aufgewachsen, wo er das Kriegsende miterlebte, und lebt in Biberach/Riß. Er hat Germanistik und Romanistik studiert und war als Lehrer am Gymnasium in Biberach tätig. Bisher liegen von ihm 11 Bücher vor – davon 5 Lyrik- und 6 Prosabände; weiter ein Schauspiel, Übersetzungen aus dem Russischen und eine Anthologie als Hommage an Oberschwaben. 2005 wurde ihm der Bayerisch-Schwäbische Literaturpreis und 2007 der Preis der Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg verliehen.


In „Schmerzpunkte“ geht es um die skurrilen Alltagserlebnisse eines Lehrers – ein Thema, das dem Autor vertraut sein dürfte: Sicher gibt es genug Anregungen und Erlebnisse aus seiner Dienstzeit, die er mit seinem Protagonisten Kreuzberg weiter denken und ad absurdum führen kann. In 13 Episoden aus dem Schulalltag nimmt man als LeserIn Anteil an den Abenteuern und Missgeschicken des Lehrers Kreuzberg. Der Roman „spielt“ 1978. Eine Zeit, da die Erinnerungen an das Dritte Reich, Krieg und Kriegsende bei vielen „Zeitgenossen“ – Tätern, Opfern, Mitläufern – noch allgegenwärtig sind. So geht es auch Kreuzberg, der ständig Parallelen zu 1945 zieht.

Als Lehrer fühlt sich Kreuzberg desillusioniert und permanent überfordert. Er hat es längst aufgegeben, seinen gelangweilten Schülern irgend etwas Wichtiges vermitteln zu wollen, wenn er mit ihnen Brecht und Heine liest. Er will nur noch „überleben“, ist zum „grauen Mitläufer“ geworden und muckt selten auf – die Folgen sind Kopfschmerzen und Übelkeit. Kreuzberg liegt unentwegt mit allem im Clinch: mit dem politischen System, mit den Mitmenschen, natürlich mit den Schülern und deren Eltern, mit der Schule als Institution, mit dem Direktor, mit den Kollegen ... und mit sich selbst, seiner Abgestumpftheit, seinem Funktionieren trotz allem. Sein früherer Idealismus ist zu totaler Resignation verkommen. Kreuzberg muss Druck von allen Seiten aushalten – von oben, von unten und aus gleicher Ebene. Er wird ausgepresst wie eine Zitrone und weiß doch, dass die ganze Prozedur nichts bringt, sinnlos und nutzlos ist. Seine verzweifelten bis schlitzohrigen Versuche, sich zu wehren, führen ihn nur immer tiefer ins Desaster. Doch er macht weiter. So ist es nur folgerichtig, dass er im „Finale“ eben nicht, wie man erwarten könnte, vom Ulmer Münsterturm springt.


Das Buch ist wie ein einziges „Wortgewitter“ auf mich eingeprasselt. Ich fand die Sprache allzu spitzfindig-verkünstelt und hatte Mühe beim Lesen, was allerdings an meiner fehlenden akademischen Bildung liegen mag. Bereits nach den ersten Sätzen musste ich mich zum Weiterlesen zwingen: Ein derartiges Stakkato aus sprachlichen Gags und Anspielungen verwirrt und überfordert mich.

Der Roman von Hartmut Löffel könnte bei übertrieben idealistischen Lehrfach-Anwärtern heilsame Ernüchterung bewirken. Vielleicht sollte er ihnen als Pflichtlektüre aufgetragen werden?


Armgard Dohmel / 17.. Januar 2012
ID 5689


Siehe auch:
http://www.Talfeldverlag.de





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